Nach #Krankenhaus und #Therapie geht’s wieder, so war’s das Beste! – #Rezension

Burn-out

Ich* habe meine Depression als eine geschichtslose Zeit erlebt. Nichts passte mehr zusammen, nichts ergab ausreichend Sinn. An etlichen Tagen lag ich auf meinem Wohnzimmer-Sofa, starrte an die Decke und konnte nicht fassen, dass das ein Leben sein sollte. Ich lag da, und mir war vollkommen klar, dass dieser Tag nicht zu schaffen war. Ich wünschte mir nichts, als dass der Tag schnell vorbei sein würde. Und am Ende dieser unerträglichen Tage warteten schlaflose Nächte. – Während andere zur Arbeit fuhren, wurde ich von einer Freundin in die Psychiatrie gebracht. Wie ein Mantra sagten wir immer wieder, dass es das Beste für alle sei. Fahren, schweigen, sagen, dass das wirklich das Beste für alle sei, und wieder von vorn.

Als ich mit dem Arzt redete fühlte ich mich wie bei einem Bewerbungsgespräch. Plötzlich hatte ich Angst, dass ich meinen Job als Kranker nicht gut genug machen würde. Ich hatte Angst Fehler zu machen. Oder nicht genug Fehler. Bin ich überhaupt krank genug? Oder bin ich nicht ein alberner Kranken-Darsteller, ein Schwächling, der sich nicht zusammenreißen kann? – „Zäsur-Wunsch“, sagte der Arzt und das Wort klang wie ein Einstellungsgrund. Nach einer Viertelstunde ging er. Beim letzten Mal hatte diese Erstuntersuchung eine halbe Stunde gedauert. Ich fragte mich, was ich falsch gemacht hatte. Zäsur-Wunsch.

Man könnte sagen, ich bin ein Depressiver in einer luxuriösen Position: Ich habe einen Job, ein Zuhause, einen Freundeskreis. Ich habe eine Familie, die mich auch dann noch liebt, wenn ich es gerade selbst nicht kann. Man könnte sagen: Ich habe überhaupt keinen Grund, depressiv zu sein. – In der Klinik traf ich Menschen mit wirklich schlimmen Problemen. Manche waren durch ihre Erkrankung arbeitslos geworden, verarmt und an den Rand der Gesellschaft gedriftet. Manche waren körperlich schwer erkrankt, hatten finanzielle Probleme oder waren in höllischen Beziehungen mit Partnern und Partnerinnen oder ihren Eltern verheddert. Viele waren allein. Weil sie seit Jahren von der Welt zurückgezogen lebten. Oder weil sie schlicht nie jemanden hatten.

Mittlerweile ist es fünf Jahre her, dass die Depressionen mein Leben, wie ich es kannte, gesprengt haben. – Es begann mit einer Flasche Wein, die ich in schnellen Zügen austrank, dem Gefühl, dass ich nicht mehr kann, und einem Zusammenbruch mit Heul-Krämpfen und Stürmen von Selbst-Verachtung. – Es wurde immer schlimmer. Ich wurde immer müder, ich stumpfte immer mehr ab. Mein kleiner Sohn, meine Frau, meine Freunde, Dinge, die mir mal wichtig waren, die Welt um mich herum berührte mich immer weniger. – Irgendwann dachte ich, dass ich mich meiner Familie nicht mehr antun konnte, und ging ins Krankenhaus.

Seitdem war ich dreimal in der Klinik, insgesamt etwas mehr als drei Monate. Ich war einige Wochen in einer Tagesklinik, habe mehr als 100 Stunden Psychotherapie hinter mir und unzählige Pillen genommen, um mein Gemüt zu stabilisieren. Ich nehme sie immer noch, zwei morgens, zwei abends. Alle ein bis zwei Wochen sehe ich meinen Therapeuten. – Ich bin immer noch krank. Oder besser: Mir fällt manches schwerer als anderen. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht zu viel in meinem Kopf aufhalte, weil meine Gedanken dann manchmal destruktiv und selbstverletzend werden. Ich muss mein Denken im Blick behalten und die okayen (richtigen) Gedanken von denen unterscheiden, die nicht hilfreich sind. Ich finde es nicht mehr so schlimm, mit der Gefahr zu leben in eine neue Depression zu fallen. Denn ich weiß, wenn ich es selbst nicht hinkriege, kann ich mir Hilfe holen, vielleicht noch ein viertes Mal ins Krankenhaus gehen. – Weil die Psychiatrie manchmal der beste Ort für mich ist.

*Benjamin Maack: „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“. Suhrkamp; 332 Seiten, 18 Euro. Erscheint am 9. März.

Immer noch krank, Psychologie, Wie ich versuche, mit meiner Depression zu leben, Von Benjamin Maack, #DERSPIEGEL, Kultur, Nr. 11/7.3.2020

 

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5 Antworten zu Nach #Krankenhaus und #Therapie geht’s wieder, so war’s das Beste! – #Rezension

  1. Ob es wirklich ein ganzheitliches Konzept für eine Gesundung gibt, um die seelische Balance wiederzufinden ?
    Das Buch würde mich sehr interessieren ,, Wie ich versuche mit meiner Depression zu leben“.
    Professionelle Hilfe suchen ? Ja aber keine Klinik. Substanzen eingetrichtert bekommen und das Leid anderer in Gemeinschaftssitzungen zu erleben ?
    Im Einzelfall mag es hilfreich sein.
    Es kommt darauf an nicht wieder in falsche Verhaltensmuster zu fallen aber allerdings fehlt mir die Grundlage im Umgang mit Änhsten und Sorgen….wie Erlebtes. Geschichten die nicht wieder aus dem Kopf gehen !
    Für mich ist es sehr wichtig dass ich mir bewusst werde das ich nur eine bestimmte Energie zur Verfügung habe. Das heisst für mich “ kein Überengagement mehr, kürzer treten, wie Schluss mit der Überfürsorglichkeit“.
    Auch ist es wichtig einmal ,,Nein“ sagen zu können.
    Die Erschöpfung kommt wenn ich mein perfektionistisches Verhalten an den Tag lege oder mit steigenden Belastungen nicht zurechtkomme.
    Viele Menschen wissen sich nicht zu helfen. Da läuft nichts mehr. Da bin ich der Meinung das ein Klinikaufenthalt nicht schlecht wäre.
    Ich bedanke mich sehr für Deine Blogeintrag. Es war sehr aufschlussreich und anregend. Hilfe gibt es immer…nur man muss den richtigen Arzt oder Therapeut -en finden. So muss man auch selbst wollen dass es wieder bergauf geht. Zu allerletzt muss ich noch schreiben dass die Belastungsgrenzen nicht wieder überschritten werden. Endgültig geheilt vom Burnout…Depression..Ängste ist man nie. Wir alle haben unterschiedliche Strickmuster.
    Danke !

    • tuscade sagt:

      Ja, liebe Karina. Du hast Dir viele gute Gedanken gemacht. Bezüglich der menschlichen Psyche gibt es viele Facetten.
      Je nach Lebensalter und Umwelt gibt es immer wieder neue Herausforderungen. So muss man ein Leben lang mit seinem „Dämon“
      kämpfen. Das tue ich und Du hast ja viel von meinen Bemühungen um mein inneres Gleichgewicht erfahren.

      • Lieber Michael,
        vielleicht ist kämpfen der falsche Wortschatz. Ich habe gelernt meine Ängste und Depression zuzulassen. Medikamente helfen mir zudem gut. Gespräche zeigen mir den richtigen Weg, den ich manchmal nicht finde.
        Bei Angstzustände oder gar Panikattacken sollte man sie zulassen…nicht dagegen kämpfen, da sie sonst länger anhalten und umso schlimmer sind. Bei Depression wird es schwieriger. Die Ablenkung durch das Schreiben, Schule wie Sport tut Dir gut. Es ist eben aber auch sehr wichtig nicht allein zu sein und Gesprächspartner muss man schon haben.
        Nun ich bin kein Doktor aber ich habe in gut 20 Jahren einiges dazugelernt und möchte es gerne weitergeben als Tipp. Die Facetten der Depression hat eine riesige Bandbreite.
        Zu Hause sitzen und nichts tun ? Wohlmöglich immer nur stöhnen ? Du hattest schon Recht mit ,, an den Haaren rausziehen in Eigenregie“.

        • tuscade sagt:

          Dein aufschlussreicher Beitrag hat mir bei meinem Bemühen um
          Stabilität gut weitergeholfen. –
          Die „Panikattacken zulassen,
          das ist für mich eine neue, sinnvolle Erfahrung. Ich glaube
          sie hilft. Da mein Medikament „Venlafacin“ (gegen DP)nicht mehr
          erhältlich ist, habe ich morgens zwischen 6.00 – 7.00 Uhr
          eine ziemliche Unruhe. Die dann aber rasch wieder vergeht-
          Mit Sport und Schülerhilfe wird’s
          wohl wieder besser. Danke sehr für Deinen hilfreichen Beitrag!

          • Lieber Michael,
            sicherlich war das Medikament ,, Venlafaxin “ und nicht Venlafacin gemeint.
            Versuche ein anderes Medikament zu bekommen. Der Medikamenten-Spiegel ist sehr wichtig. Nur ausschleichend absetzen bitte.
            Wie Du weisst kommt die Depression in Episoden mit unterschiedlichen Facetten. Oft glaubt man es überstanden zu haben und dann kommt sie mit voller Wucht zurück. Diese Verunsicherungen nagen zudem an einem. Du schreibst von Unruhe am Morgen !?.
            Bitte kläre es bei Deinem Arzt ab.
            Seit längerer Zeit bekomme ich ,, Opipramol 100 mg aber hatte eine zeitlang Mirtazapin…Amitriptylin…Insidon..Venlafaxin.
            Leider ging es mir danach noch schlechter und setzte es mit Absprache ab.
            Opipramol hilft mir gut, auch gegen meine Unruhe wie Panikattacken, Ängste.
            Die Ängste zulassen und nicht dagegen kämpfen hat den Vorteil dass der Körper ihrgendwann merkt, es besteht keine Sorge, keine Angst…positiv ist ,dass es im Grunde oft nur eine Vorspiegelung der Angst ist. Der Körper lernt dann nicht immer in Alarmbereitschaft zu sein. Es ist ein Lernprozess ! Hiermit meine ich die unterschwelligen wie plötzlich auftretenden Ängste, die keine Erklärung, Ursache haben.
            Auch hier gibt es viele Facetten.. Schau mal nach Schriftmaterial. Ich habe es derzeit von Fr. Dr. Höffken/Bents bekommen und es hatte mir später geholfen. Aber es gibt solche und solche Ängste . Hiermit meine ich die Ängste die ohne Grund und aus heiterem Himmel auftauchen . Dann gibt es noch die Angst vor der Angst. Also wenn sich die Angst verselbständigt hat. Vielleicht hilft es ja Dir und Deinen Lesern einmal .

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