Das #Dilemma mit der #Digitalisierung

Der Chip ist eine dünne kleine Halbleiterscheibe aus Silizium, der Speicherchip nimmt Daten auf, behält sie und kann sie bei Bedarf wieder abgeben

Die Angst vor dem Verlust der Autonomie (Selbstverwaltung) begleitet den modernen Menschen wie ein Schatten. Das gilt seit die Aufklärung die Idee des freien und mündigen Individuums hervorgebracht hat. Hierauf basiert die liberale (großzügige) Gesellschaft bis heute. Der Haken an der Sache: In diesem Sinn frei sein kann nur, wer vernünftig ist, also das will, was er auch soll.

Die Kritiker an der digitalen Kultur begreifen die Digitalisierung (eine mathematische Aufgabe in eine Folge von Rechenoperation zerlegen), als eine fremde Macht, die die Gesellschaft besetzt und einem unsichtbaren Mechanismus unterwirft. Dagegen regt sich Widerstand: -gegen Kontroll- und Überwachungsfunktionen, -gegen die Manipulierbarkeit (das Bewusstsein des Menschen mit der herrschenden Ideologie gleichschalten) eines quantifizierten (Eigenschaften durch messbare Größen beschreiben) Bürgers und Konsumenten.

In seinem Buch *“Muster“ legt der in München lehrende Soziologe Armin Nassehi eine Theorie der digitalen Gesellschaft vor. Diese analysiert die Digitalisierung nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance für die Soziologie und ihre „Wiedergeburt“. Ihm geht es um die Erkenntnis, dass sich die Gesellschaft vor allem mit den Möglichkeiten von Big Data (riesige strukturierte und unstrukturierte Datenmengen) wiederentdecken kann.

Nassehi stellt eine funktionalistische (eine Form ergibt sich aus der praktischen Funktion) Frage: „Für welches Problem ist die Digitalisierung die Lösung?“ Und gibt gleich die ernüchterne Antwort: „Das Bezugsproblem der Digitalisierung ist die Komplexität (eine Vielzahl von möglichen Beziehungen zu realisieren) und vor allem die Regelmäßigkeit der Gesellschaft selbst.“ Das ist  – für den erwartungsfreudigen Leser erst mal ein radikaler Abturner, am Rand der Tautologie (mehrere Ausdrücke besagen das Gleiche – wie weißer Schimmel). Dennoch setzt Nassehi seine Behauptung mit einer „neuen Entdeckung der Gesellschaft“ gleich, die für ihn die „vielleicht sogar endgültige“ ist.

Das Individuum, die stolze Erfindung der Moderne, scheint zu verschwinden – um in digitalen Mustern wiederzukehren: „enorm stabil, regelmäßig, in vieler Hinsicht eben auch berechenbar“. So erweist sich das individuelle Verhalten aber als besser vorhersehbar und leichter zu steuern, als es dem modernen Selbstbewusstsein guttut. „Diese neue Entdeckung der Gesellschaft“, befindet Nassehi, „ist vor allem eine Entdeckung ihrer Widerständigkeit, ihrer erstaunlichen Stabilität, ihres Grundzugs der wiederholenden Bestätigung von Strukturen.“

Der Unterschied zwischen dem Projekt der Emanzipation (Gleichstellung) des Individuums, das am Anfang der Moderne stand, und seiner Vollendung in der digitalen Gesellschaft ist der zwischen einem Überschuss an Sinn, den der Gestaltungs- und Aufbruchswille der Moderne schuf, und einem Überschuss an Kontrolle, der die Digitalisierung schuf. Vor diesem Konflikt steht das Individuum ziemlich ratlos. Die Auflösung der Selbstbestimmung gehört zu den Desillusionserfahrungen (Ernüchterungen) der Gegenwart. Der Bereich des Unbekannten, des Geheimnisvollen, des Dunklen und Unsichtbaren ist nun nicht mehr den Göttern, Dämonen, dem Schicksal und anderen dunklen Mächten zurechenbar, sondern einer auf Reflexion (Selbstbetrachtung) verzichtenden Technik.

Denker Nassehi: „Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung?“

 

So entlässt der Autor den Leser in eine Ungewissheit, die am Ende, nach so vielen oft im apodiktischen (unumstösslich geltend) Duktus (Charakter einer Sache) vorgetragenen Sätzen, trotz aller Anregungen den Zweifel offenlässt, ob der aufklärende Wissenschaftler nicht einfach im Dunklen pfeift, die Chance, aus dem Wald herauszufinden, bleibt ja bestehen.

Roman Leik,Verschwindendes Individuum (gekürzt), Sachbuchkritik, Rezension, Der Soziologe Armin Nassehi legt seine „Theorie der digitalen Gesellschaft“ vor, Die ist ziemlich desillusionierend, #DERSPIEGEL, Kultur, Nr.  36/31.8.2019

*Armin Nassehi: „Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft“.  C. H. Beck; 352 Seiten; 24 Euro.

 

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