#Gesundheit Teil 1: #Bewegung und Gesundheit

Der Mensch braucht regelmäßige Aktivität, um gesund leben zu können. Wichtig ist auch, dass wir uns beugen, bücken, dehnen, strecken, rekeln, rühren. Es erfüllt uns z.B. mit Glück, wenn wir beim Yoga Gelenke und Muskeln spüren. Bewegung kurbelt die Ausschüttung von Neurotransmittern an und läßt gute Gefühle entstehen. Deshalb hilft sie gegen Depressionen, Angststörungen und Stress. Nicht nur der aufrechte Gang, sondern auch die Fähigkeit, selbst in praller Sonne kilometerweit zu laufen, hat den Körper des Menschen im Laufe der Evolution geprägt. Mitglieder der Gattung Homo hetzten in Afrikas heißen Savannen Antilopen so lange, bis diese überhitzt zusammenbrachen. Dann töteten sie die wehrlosen Beutetiere. Der menschliche Körper ist eben für ein Repertoire unterschiedlicher Aktivitäten ausgelegt: Mache 10.000 Schritte pro Tag – und außerdem bück dich, dehn dich, streck dich!

Bewegung für die Gesundheit

Bewegung für die Gesundheit

Viele chronische, nicht ansteckende Krankheiten sind heute häufiger geworden und verlaufen schwerer, weil Menschen in der Evolution sich nicht daran anpassen konnten, fast immer körperlich inaktiv zu sein. Wenn wir jeden Tag eine Stunde spazieren gingen, wären wir viel seltener krank und würden – statistisch gesehen – sieben Jahre länger leben. Bewegung hält eben die Blutgefäße jung und schützt deshalb vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Vom Kreislauf bis zu den Knochen alle Systeme sind betroffen, wenn man inaktiv wird. Bewegung dagegen hält Gelenke und Knochen in Schuss und beugt Rückenschmerz, Knochenbrüchen und Arthrose vor.

Ein typischer Patient von heute hat krankhaftes Übergewicht, Herzschwäche, Depressionen, Bluthochdruck, Verkalkung der Gefäße, Diabetes mellitus Typ 2, Gelenkschmerzen, Rückenweh oder Schlaflosigkeit. Und vielleicht noch einen „Handynacken“, vom Starren aufs Smartphone. Gegen jedes einzelne Symptom hält die pharmazeutische Industrie Medikamente vor – die nur allzu bereitwillig geschluckt werden. Doch genauso gut, wenn nicht oftmals sogar besser, würde Bewegung gegen diese Krankheitsanzeichen helfen. Wer Leib und Seele wieder in Schwung bringt, stellt im Grunde nur den Urzustand her, auf den er von Natur aus geeicht ist. Deshalb wirkt Bewegung wie Medizin. Sie löst in den Körperzellen eine Fülle von physiologischen Veränderungen aus, die heilsam sind. Aus diesem Grund beugt körperliche Aktivität nicht nur vielen Leiden vor, sondern kann sogar bereits ausgebrochene Erkrankungen verlangsamen oder umkehren.

Bewegung könnte auch bei Meniskusbeschwerden helfen. Menisken bestehen aus Knorpel und liegen im Kniegelenk zwischen den Gelenkflächen des Oberschenkelknochens und des Schienbeins. Insbesondere durch Sportunfälle und Fehlbelastungen kann das Material Risse bekommen – Ärzte greifen dann gern zur Operation. Sie schieben röhrenförmige Instrumente ins Knie und entfernen eingerissene oder kaputte Anteile des Meniskus. Ungefähr 300 von 100.000 Einwohnern in den Industrienationen lassen sich jedes Jahr operieren – diese Variante der Arthroskopie zählt damit zu den häufigsten Eingriffen überhaupt. – Studien aus Norwegen belegen: Die Bewegungstherapie hilft allerdings genauso gut gegen die Schmerzen wie die Arthroskopie.

Sich regen bringt Segen – das gilt augenscheinlich auch für das Herz. Ärzte vom Herzzentrum Leipzig ließen 40 Männer und Frauen, die unter schmerzhafter Herzenge litten, vier Wochen lang trainieren. Die Probanden waren daraufhin tatsächlich leistungsfähiger, sie nahmen mehr Sauerstoff auf, und ihr Herz wurde besser durchblutet. Die Existenz biologischer Bypässe sei damit bewiesen, wurde gesagt. Wenn Patienten trainierten, verbessere sich die Leistungsfähigkeit dieser Eigenbau-Arterien. Das ist quasi eine Selbstreparatur des Herzens.

Bewegung ist für einen normalen Zuckerstoff-Wechsel wichtig. Viele Bürger sind träge und nehmen große Mengen Zucker auf. Der Zuckerspiegel im Blut steigt und steigt. Die Bauchspeicheldrüse produziert größere Mengen des Hormons Insulin, damit etwa Leberzellen Glukose aus dem Blut aufnehmen. Nur: Die Zellen können resistent gegen Insulin werden. Die Betroffenen sind überzuckert und trinken große Mengen. Und sie scheiden ungewöhnlich große Mengen Harn aus, der Zucker enthält. Sie haben „honigsüßen Durchfluss“ – Diabetes mellitus Typ 2. Der viele Zucker schädigt die Nerven und die Gefäße. Das kann zur Erblindung, Nierenversagen und Amputationen von Zehen, Füßen oder Beinen führen. Es wäre klug, sich regelmäßig zu bewegen. Denn sobald die Muskeln aktiv sind, beginnen sie, den Zucker gleichsam aus dem Blut zu saugen und zu verbrennen. Moderates Training reicht aus, um diesen Mechanismus in Gang zu setzen. Wer jede Woche rund 18 Kilometer weit spazieren ging, der konnte seinen Blutzuckerspiegel merklich senken, wurde in Studien herausgefunden. Aktive Muskelzellen können der normalen Alterung ein Stück weit widerstehen, sie bleiben lange groß und kräftig.

Muskeln formen auch den Geist. Denn sie stellen bestimmte Botenstoffe her, die ins Gehirn gelangen und es verändern: Im Hippokampus werden neue Nervenzellen gebildet; bereits vorhandene Nervenzellen stellen untereinander zusätzliche Verbindungen her; der Spiegel an Neurotransmittern steigt. Dadurch wird das Denkorgan wehrhafter gegen Alzheimer und Depressionen. Wer aktiv lebt, der erhält sich ein flexibles Gehirn, das mit den Herausforderungen des Alterns besser umgehen kann.

Bei Krebs kann Bewegung ebenfalls wie ein Arzneimittel wirken. Forscher im US-Bundesstaat Maryland fanden heraus, wer jede Woche mindestens zwei Stunden spazieren geht oder joggte, der hatte ein um sieben Prozent geringeres Krebsrisiko als trägere Menschen. Der Schutzeffekt zeigte sich für 13 verschiedene Tumorerkrankungen, darunter Darm-, Brust-, Lungen-, Nieren-, Blasen- und Gebärmutterkrebs. Sogar bereits an Krebs erkrankte Menschen sollten versuchen, aktiv zu bleiben. Wer nach einer Brust- oder Darmkrebsdiagnose das Training aufnimmt, der verlängert epidemiologischen Studien zufolge sein Leben. Versuche an Tieren offenbarten, warum das so ist: Mäuse, die sich auf dem Laufrad austoben können, haben fünfmal mehr natürliche Killerzellen als träge Artgenossen. Offenbar helfen die Killerzellen, die zum Immunsystem gehören, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten. Jedenfalls konnten sie experimentell herbeigeführte Krebsherde besonders gut bekämpfen.

Tanz für die Gesundheit

Tanz für die Gesundheit

Jörg Blech, Ära des Faultiers (Auszug), Medizin, Von Natur aus liebt der Mensch es bequem, doch zum Couchpotato vorm Fernseher hat die Evolution ihn auch nicht gemacht – er muss sich bewegen. Der Körper dankt es: Wer aktiv ist, kann Dutzende Leiden vermeiden. DER SPIEGEL, Wissenschaft, 39/2016, Seiten 98-107.


Leserbrief:

Als Symbiose aus Sport und Kunst fördert gerade das Tanzen mit seinen Bewegungsfolgen die körperliche Entspannung, setzt Endorphine frei, stärkt das Immunsystem, verringert das Demenzrisiko, steigert kognitive Fähigkeiten und trainiert die Muskeln. H.P. Berlin

Leserbrief, DER SPIEGEL, 40/2016.

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12 Antworten zu #Gesundheit Teil 1: #Bewegung und Gesundheit

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