Bei Boris Becker auf dem #Sofa

Ein Buch lesen

Ein Buch

Neben meinem Bett gibt es zwei Bücherstapel – wachsend. Ich muss viel weglesen, damit die Stapel nicht umkippen. Und immer kommen neue Bücher hinzu. Auf meinem Weg zum Lebensmittelmarkt ist eine Buchhandlung. Auf dem Rückweg sichte ich dort regelmäßig Bücher. Zu Hause liegt dann auf dem Küchentisch zwischen Gemüse, Milch und Brot ein neues Buch.

#BenjaminvonStuckrad-Barre erzählt in „Ich glaube, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal hinlegen. Remix 3“ von einem Besuch bei Boris Becker in Wimbledon. Er sitzt mit Herrn Becker auf dem Becker-Familiensofa und schaut das Wimbledon-Finale von 1985 auf Video. Beckers Frau Lilly und der Sohn Elias sehen das Spiel zum ersten Mal, und schnell wird klar: Sie wissen nichts von diesem mythischen Match, von der Weltbedeutung.

Matthias Günther (54) ist seit 2015 Dramaturg am Thalia Theater

Matthias Günther

Ich erinnere mich sofort daran, wo ich damals war, mit wem ich geschaut habe. So lese ich einerseits Stuckrad-Barres großartigen Text und erinnere mich gleichzeitig an den 7. Juli 1985. Beim Lesen der präzisen Beschreibungen und Überlegungen von anderen tauche ich ab und begegne mir selbst. #Lesen ist eine Glücksmöglichkeit. Auf dem Bücherstapel neben meinem Bett liegt jetzt oben Stuckrad-Barres neues Buch, daneben #Ulrich Woelks  „Nacht ohne Engel“, die Begegnung eines Taxifahrers mit seiner früheren Freundin nach 25 Jahren. Ein Erinnerungsraum öffnet sich und der ist entweder das Paradies (Kierkegaard) oder die Hölle (Stuckrad-Barre). Bei Woelk gibt es auf Seite 91 den schönen Satz. „Vielleicht ist es kein Gott und es sind keine Toten, die uns in der Gegenwart beim Lesen zusehen, sondern wir sind es selbst, unser eigenes zukünftiges Ich, das uns zurückblickend im Hier und Jetzt beobachtet und uns etwas sagen, etwas Dringendes zurufen will.“ Jetzt muss ich schließen. Das Buch will weitergelesen werden.

Armin Smailovik, #MatthiasGünther, Bei Boris Becker auf dem Sofa, #HamburgerAbendblatt, Sonnabend/Sonntag, 14./15. April 2018, KULTUR

Schreiben

Arbeitsdisziplin

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#Polizei setzt auf #Kooperation mit #Hamburg

Polizei

Kooperation: Hamburg und Stormarn

Länderübergreifende #Zusammenarbeit wird ausgeweitet: Nach #Einbrechern sollen nun auch #Autodiebe #gemeinsam #gejagt werden

Polizei

HH, SH: Sicherheit

#HamburgerAbendblatt, Freitag, 13. April 2018, #STORMARN

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#Rezension: #SveaKerling, #DieEquipe, Der #letzteSitzkreis

Sitzkreis

Was mache ich hier bloß?

“ Unfried (Therapeut) schüttelte vehement seinen Kopf. „Wir wollen hier weder politische noch religiöse Diskussionen entfachen, Kjell.“  „Anscheinend wollen wir hier gar nichts, außer dass wir einander alle lieb haben. Ich für meinen Teil habe keinen Bock auf Gruppenkuscheln. Mit mir sicher nicht. So ein Kackhaufen hier.  – Der Klarheit wegen, was um Himmels willen schmieren Sie permanent in diesen Block?“ – Um Unfried herum nur fragende und nach Antwort suchende Gesichter. „Das hatten wir doch schon mehrmals besprochen.  Ich bin hier, um Ihnen zu helfen. Sie ein Stück auf Ihrem Weg zu begleiten. Sie dabei zu unterstützen Vergangenes zu verarbeiten, damit es seinen Platz findet. Erinnerungen ihren Schmerz zu nehmen. Offen aufeinander zugehen. Offener einander zuhören. Zorn und Wut positiv einzusetzen. Ich will Ihnen allen helfen. Ich will sie positiv motivieren.“  “  

Hanna hatte keinen Schimmer davon, was dies alles zu bedeuten hätte. Dieses #Therapiezimmerszenario. Alles in ihrem Kopf begann sich zu drehen. Ihre Welt drehte sich, nur nicht so, wie sie sich drehen sollte. Sie sah schlussendlich keinen Ausweg mehr . Der Therapeut (Unfried) unterschied sich kaum von den anderen Therapeuten, denen sie in ihrer #Patientenlaufbahn begegnen durfte. Sie hätte eine krankhafte Phantasie, hieß es. Sie würde sich alles nur einbilden. Verrückt wäre sie, hieß es. Sie würde in ihrer eigenen Welt leben, hieß es. Hanna konnte einfach nicht gut mit Menschen und Menschen konnten nicht gut mit ihr.“ 

 

Sigmund Freud

Der Mann mit dem Hut

Unfried fand die Runde wieder etwas unrund. Er grinste. Er gratulierte sich zu seinem Wortspiel. UNRUND. Dieser verfickte Kreis war wieder nicht perfekt rund. Unfried kannte seinen Job. Er hasste diesen Raum. Er hasste die Tür, ja und er hasste auch diesen verdammten Block. Auch diese beschissenen Kreise. Alle schrien nach Hilfe. Heute wusste er, dass es unmöglich war, Menschen zu therapieren. Menschen, die zu ihm kamen wollten ihr Leid. Sie wollten es nicht teilen oder gar loswerden. Sie wollten es für sich ganz allein.

Unrund oder was?

Die ver… Kreise

Valerie hatte Kjell gesehen und es war um sie geschehen. Kjell (Patient) und Unfried (Therapeut) lieferten sich ein hartes Duell. Ein Duell der Alphatierchen. Es schien als wollte keiner nachgeben. Valerie mochte das. Sie mochte starke Männer. Sie würde gern mit Kjell kuscheln. Kjell war ein ganzer Mann. Er wusste, was Sache war. Er könnte alles… ja alles mit ihr machen. Sie fand Kjell klasse, doch dieser Unfried war nicht so sehr ihr Typ. Seine Augen ja, die waren interessant, doch er als Person war gänzlich uninteressant für sie. Uninteressant wie ihr Leben.“ 

Unfried: „Was glauben die bloß alle, wer sie sind? Es ist widerlich, wie sie mir ins Gesicht lügen. Wie haben sie ausgesehen? Ich kann mich nicht an ihre Gesichter erinnern. – Der Mann mit dem Hut strich mit seinen Fingern über den Hut: Wahrheit schmerzt und ist doch nicht mehr als ein Irrtum“  

Der Tod

Das Entsetzen

Kjell und der Ruf

“ Kjell war ein Pilot. Ein Flieger. Wenn nicht sogar ein Überflieger. Das war sein Credo. Keine Kapitulation vor dem Feind. Er wird ihm entgegentreten als das, was er war. Als Kampfpilot. Der Himmel war merklich dunkler geworden. Ein ohrenbetäubendes Geräusch riss Kjell aus seinen Gedanken. Er flog. Segelte hinab in die Tiefe. Schallendes Gelächter. Es war der Berg, den er bezwingen wollte. Es waren Kjells Augen, die noch im Tod das Entsetzen widerspiegelten. Der Berg, er hatte ihn besiegt.

Hanna und der Sternenstaub

“ Ein Krächzen und Ächzen. Das Auto war dabei in seine Einzelteile zu zerbersten. Ihr Auto und sie kannten das Ziel. Es würde sie beide dorthin bringen. Bersten von Glas. Splitterndes Glas. Der Motor heulte auf. Reifen quietschten. Donner. Blitz. Farben der Welt glänzten und glitzerten scheinbar um die Wette. Sternenstaub. Nur er brachte die Welt so zum Funkeln. – Es gab keinen Sternenstaub, nur Flammen, die den nächtlichen Himmel in diffuses Licht tauchten.

Valerie und die Tragödie in unzähligen Akten

„Falls sie überleben würde, schwor sich Valerie, würde sie nie wieder baden“. Sie spuckte Salzwasser aus ihrem Mund: Der Ast hatte wohl nur einen Zweck. Nämlich ihr Leiden zu verlängern. Einfach Loslassen. Das wäre doch die ultimative Lösung. Doch anstatt die Finger vom Holz zu lösen und endlich das letzte Bindeglied zwischen dem Hier und dem Dort loszulassen, klammerten sich ihre Finger noch fester um diesen Ast der falschen Hoffnung

Lauren und der missglückte Plan

Noch bevor Laurens toter Körper gänzlich vom Stuhl rutschte fing er (Hermann) ihn auf. Er röchelte, rang nach Luft. Etwas stimmte ganz und gar nicht. Während er fiel, versuchte er sich an der Tischdecke festzuhalten. „Lauren, du verdammte…“ “ 

 

Ich und das Fenster zum Hof

„Mein Körper war nicht mehr als eine Hülle. Aufrechterhalten nur aus Trotz. Meine Tränen schmeckten bitter. Bitterer als sonst. Es gibt nur einen Weg. Das Fenster zeigt mir diesen Weg: Aus dem Nichts in das Nichts.“ “ 

Ich kann mich nicht mehr erinnern, was passiert war. Was mache ich hier bloß? Wer sind diese Menschen? Was kritzelt dieser Typ ständig in seinem Block herum? Es kann mir egal sein. Ich konzentriere mich auf die Stühle. Buche. Gott, ich hasse doch Buche. Gelangweilt blickt Unfried in die Runde. „Was genau ist es denn, was Sie so wütend gemacht hat, Hermann?“

 

#SveaKerling, #DieEquipe, #DerletzteSitzkreis, tredition GmbH, Hamburg, 2017, 172 Seiten, Rezension

 

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#Depression eine #Krankheit. Über #Hilfe und #Therapie

Einsatz Ätherischer Öle

Manchmal geben sogar Ätherische Öle Linderung

Teresa Enke, die Frau des ehemaligen Bundestorwarts Robert Enke, klärt darüber auf, dass Depression eine Krankheit ist, die man behandeln kann, mit Therapie, mit Medikamenten. Die man behandeln soll. Sonst kann es tödlich sein, so wie bei Robert Enke.

Etwa fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Depression. 10.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Suizid, ein Großteil davon war depressiv. Das sind mehr, als im Straßenverkehr umkommen. Betroffene Patienten berichten, dass die Krankheit schleichend in ihr Leben trat. Und sie hart getroffen hat. So hart, dass sie ohne Familie, ohne Freunde verloren gewesen wären. Das liegt auch daran, dass man sich nicht sicher sein kann, von Ärzten die richtige Hilfe zu bekommen. – Wie kann es sein, dass es bei einer so schweren Krankheit so schwer ist, Hilfe zu bekommen? Und wie können Angehörige einen Kranken unterstützen? – Ein Betroffener, ein depressiver Patient, dachte an Selbstmord, bis er sich nach endlosen Fehldiagnosen selbst in eine Klinik einwies. Dort wurde seine Krankheit, die Depression, endlich erkannt. Die Medikamente wurden umgestellt, die Gewaltgedanken des Patienten verschwanden. Doch die Hoffnungslosigkeit, das endlose Grübeln, die ewige Niedergeschlagenheit blieben.

Manchmal führen schwere körperliche Erkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsie oder Krebs, eben Krankheiten von denen man sagt, es sei schwer damit zu leben, zu einer Depression. Manch ärztlicher Experte weiß, die Depression ist mehr als nur eine Reaktion auf äußere Lebensumstände, sie ist eine eigenständige Krankheit. Selbst die Betroffenen erkennen sie selten, sie geben sich in der Regel selbst die Schuld an ihrem Zustand. Als Student denkt man, es sei der Liebeskummer. Im Berufsleben ist es der Stress. Als alter Mensch sind es die Rückenschmerzen. Die Depression findet je nach Lebensphase ihre eigenen Probleme. – Ein Depressiver verliert den Appetit, oft werden mehrere Kilogramm Gewicht verloren. Man hat Konzentrationsstörungen. Auch Hoffnungslosigkeit ist eingebaut in eine Depression. Alles erscheint ausweglos. Dazu kommen teils Suizidgedanken. Halten mehrere dieser Symptome mindestens zwei Wochen an, ist es Zeit, zum Arzt zu gehen.

Im Rahmen einer Therapie werden durch Medikamente, Psychotherapie, aber auch durch Sport und Bewegung Heilungsprozesse und Wachstumsprozesse angestoßen, sodass sich die gesunden Netzwerke wieder herstellen können. – Auch wenn Depressiven ihre Situation meist aussichtslos erscheint, ist sie das in Wahrheit nicht. Die Krankheit verläuft typischerweise in Episoden, und eine solche Episode klingt meist nach sechs bis acht Monaten wieder ab. Wie aber findet jemand, der sich mühsam durch den Tag schleppt, keinerlei Hoffnung hat, und am liebsten gar nicht mehr ans Telefon gehen möchte, den richtigen Arzt, der helfen kann? Die Chancen dafür stehen in Deutschland nicht sehr gut. Auch bei der Therapie zeigen sich erschreckende Lücken: Lediglich 41 Prozent der befragten Hausärzte gaben an, die Leitlinie zur Behandlung von Depressionen überhaupt zu kennen. Die größten Engpässe finden sich allerdings bei den ambulant tätigen Psychotherapeuten: Es gibt in Deutschland nur rund 30.000. Würden alle Depressiven in Deutschland eine ambulante Psychotherapie machen, könnte sich keiner dieser Therapeuten mehr um andere Patienten kümmern – und müsste über 33 Stunden pro Tag arbeiten.

Eine bekannte Moderatorin und Schauspielerin musste sich um einen schwer depressiven Menschen kümmern, jahrelang – und lernen, nicht daran zu zerbrechen. An ihrem Beispiel wird klar, wie wichtig es ist, über die Krankheit aufzuklären, sie zu enttabusieren. Auch, um den Angehörigen zu helfen. Ihr Vater litt fast 20 Jahre lang an schwerer Depression. Anfang der Neunziger verlor der Unternehmer einen großen Kunden, seine Firma ging unverschuldet insolvent. Er fand nicht mehr zurück ins Leben, es dauerte eine Weile, bis die Familie erkannte, dass es um mehr ging als Versagen und Frustration. Ihre Mutter tat alles, um zu helfen. Zum Schluss war sie nur noch für den Vater da. Doch ihr Vater habe bis zum Ende abgestritten, dass er krank sei. Irgendwann riet ein Arzt ihrer Mutter, sich zu trennen. Er sagte, sie solle gehen, sonst sei sie bald selbst nicht mehr da.

Danach hatte die Moderatorin das Gefühl, die Bezugsperson für ihren Vater zu sein. Eine Lösung finden zu müssen. Die letzten Jahre hat er in seinem Bett mit heruntergezogenen Rollläden verbracht, sei teilweise nicht mehr  aufgestanden. Trotz der Liebe seiner Familie wollte der Vater trotzdem „gehen“. Er meinte, es reiche nicht. Gespräche endeten oft mit der Bemerkung, er wolle „es jetzt tun“. Daran ist die Tochter allmählich kaputtgegangen. Im Beruf hat die Tochter immer super funktioniert. Sie war die, die immer lacht. Privat hatte sie keine Kraft mehr. Sie hatte alles für den Beruf und die Sorge um ihren Vater aufgegeben. – Schlussendlich hat sie sich helfen lassen. So hat sie auch jene Werkzeuge in die Hand bekommen, den fast unausweichlichen Tod ihres Vaters zu verkraften.

Später saß die Moderatorin mal in einer Gesprächsrunde über Depression. Sie traf  auf einen Mann mit Frau und drei kleinen Kindern. Er hatte einen Selbstmordversuch überlebt, war wieder gesund. Auf ihre dringenden Fragen zu seinen Episoden erzählte er ihr, dass die Depression alles tötete, was mit Gefühlen zu tun hat. Dass man so etwas wie Liebe nicht mehr wahrnimmt. Alles sei weg. Der Mann habe seine Kinder, seine Frau angesehen, aber nichts mehr gespürt. Die Krankheit habe eine feste Mauer um seine Seele gebaut.

Die Tochter hofft und will, nach dem Erlebten und ihrem Bericht, dass wir einsehen, dass die Depression eine Krankheit ist und dass die Krankheit nichts damit zu tun hat, wie sehr man sich im Griff hat.

Veronika Hackenbroch, Kerstin Kullmann, Unter Wasser (gekürzt), Eine Studie zeigt: Ein Fünftel der deutschen glaubt, eine Depression lasse sich mit Schokolade heilen. Die richtige Hilfe zu finden ist für Betroffene ein Glücksspiel. Wann fangen wir endlich an, die Krankheit ernst zu nehmen. #DERSPIEGEL, 11/2018, Psychologie, Seiten 100 bis 107

DER SPIEGEL: Leserbrief. Seite 128, DER SPIEGEL 12 / 2018

„Es wird Zeit, dass Depression als schwere Krankheit anerkannt wird, und die Betroffenen nicht mehr stigmatisiert werden.“ Michaela, T. Ulm

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#Anfang und #Ende: #StephenW.Hawking

Hawkins

Stephen Hawking, Oxford, 1962

Ein Geistesgigant, geboren am 300. Todestag Gallileo Gallileis in Oxford, gelangte in den 1970er-Jahren zu großer Bekanntheit. Hawking zeigte, dass Schwarze Löcher, die Staubsauger des Universums, Materie nicht nur verschlucken, sondern selbst verdampfen. Das Faszinierende daran: Die dabei selbst entstehende Hawking-Strahlung kann es nur bei Anwendung der Quantenmechanik geben, also der Theorie kleinster Teilchen. Schwarze Löcher hingegen werden mit der Allgemeinen Relativitätstheorie erklärt.  – Physiker träumen seit Jahrzehnten davon, beide Theorien zu vereinigen, und eine universale Weltformel zu finden. Das hat Hawking nicht geschafft, aber künftigen Forschergenerationen den Weg bereitet.

Stephen Hawking

Schwarzes Loch

Materie verschwindet im Schwarzen Loch

Die Hawking-Strahlung ließ sich bisher nicht nachweisen. Wohl auch deshalb hat er zu seinem Bedauern nie einen Nobelpreis erhalten. In der theoretischen Physik gilt Hawking als ein renommierter Forscher unter einigen anderen. „Die Entdeckungen, zu denen er beigetragen hat, werden großartige Entdeckungen in der Zukunft ermöglichen“, sagt Ulf Danielsson, Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Der am 8. Januar 1942 geborene Hawking wurde 1979 Professor für Mathematik in Cambridge. In den 80er-Jahren entwickelte er die Idee eines grenzenlosen Universums ohne Rand und Anfang. Im Jahre 1988 veröffentlichte er „Eine Kurze Geschichte der Zeit“, ein auch für Laien halbwegs verständlichen Bestseller. Dieser begründete endgültig seinen Weltruhm.

Stephen Hawkin

Erinnerung an S.H.

„Stephen war ein interessanter und wunderbarer Mensch“, sagt der Hannoveraner Physikprofessor Bruce Allen über seinen Doktorvater. „Er war selten schlecht gelaunt. Er war ein starker Mensch, der das Beste aus allem machte und stets das Positive sah.“ Hawkings wissenschaftlicher Nachlass sei legendär, so Allen. „Seine früheren Arbeiten zur Kosmologie sind die Grundlage für unser heutiges detailliertes Verständnis darüber, wie das Universum entstanden ist und sich entwickelt hat.“

 

Jonas Erlenkämper, Mister Universum (Auszug), Stephen Hawking, der Welterklärer und Star der Wissenschaft, stirbt mit 76 Jahren. Von seiner Nervenkrankheit hat er sich nicht unterkriegen lassen, #HamburgerAbendblatt, Donnerstag, 15. März 2018

Erinnerung

Erinnerung an S.H.

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Der #Mann: Ein #Schwein??

Armes Schein

Armer Eber

Gerade nach dem Toilettengang mögen Frauen es besonders gern, sich gründlich an den Händen nass zu machen. Teils verwenden sie dafür Seife, teils reicht ihnen – falls vorhanden – heißes Wasser. Studenten der privaten SRH Hochschule Heidelberg haben männliche und weibliche Klogänger jetzt verdeckt beobachtet, und zwar nach dem Geschäft. Während immerhin 82 Prozent der Frauen ihre Hände gewaschen haben, machte nur jeder zweite Mann davon Gebrauch.

Beim männlichen Geschlecht herrscht offenbar die verbreitete Meinung vor, dass Händewaschen unmännlich und daher eher Frauensache sei. Schließlich machen sich gerade die Konservativen unter ihnen, namentlich im Haushalt, nur relativ selten die Finger schmutzig. Weshalb sie eben keine Saubermänner sind.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA)warnt angesichts dieser Abstinenz vor den Risiken für das ganze Land. Gerade in Erkältungszeiten könnten durch mangelhafte Handhygiene gefährliche Keime übertragen werden. Jetzt wissen wir auch, warum so viele Grippe haben – Schuld daran sind die wasserscheuen Männer.

Da bleibt nur eines: Auch die übrigen 50 Prozent sollten endlich dem Vorbild der Frauen folgen, sich wie diese nach jedem Toilettenbesuch die Hände waschen und bekennen: „Me too.“ Sauber, Männer!

Der Mensch

Ja, ja der Mensch

Edgar S. Hasse, Männer sind Schweine (Auszug), Nur jeder Zweite wäscht sich die Hände nach der Toilette. Die andere Hälfte riskiert mehr als ihren guten Ruf, #HamburgerAbendblatt, Dienstag, 13. März 2018

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Immer wieder diese #Lizenzen – #JamesBond war der „größte“

Ein Vorbild?

Ein Vorbild an Virilität, Eleganz uns Askese

Daniel Craig hat an der Verleihung der britischen BAFTA-Filmpreise teilgenommen, war aber nicht gut in Form. Aufgedunsen und wächsern habe er ausgesehen, hieß es. Dabei wollte der Mime, der heute 50 wird, noch einmal James Bond spielen. Der Agent seiner 91 Jahre alten Majestät ist immer ein Vorbild an Virilität, Eleganz und Askese. Sich verändern wie Craig – das geht nicht, befinden jene, welche die Schattenseiten der Glamourwelt gern übersehen. „Schauspielern ist am besten, wenn man sich über sein Aussehen keine Gedanken machen muss“, hat er gesagt. „Und Bond ist das Gegenteil davon.“ Das hat er übrigens mit vielen Darstellern gemeinsam.

Filme spielen liegt zwar im Reich der Fiktion, das heißt aber lange noch nicht, dass dort alles erlaubt ist. Alfred Hitchcock ließ in „Sabotage“ einen kleinen Jungen im Bus eine Bombe transportieren. Die Sache ging nicht gut aus, das Publikum nahm es ihm übel. Ein Hamburger Autor sollte ein Drehbuch für einen Schimanski-„Tatort“ schreiben und wollte mit einer Sexszene beginnen, vor welcher der Kommissar sich mit Viagra in Form bringen sollte. Der Schauspieler wollte nicht. Ob es dem Publikum gefallen hätte?

Bond-Darsteller finden ihre Rolle oft vereinnahmend. Weder Roger Moore noch Pierce Brosnan konnten in ihrer aktiven Zeit in anderen Filmen reüssieren. Craig nervt das offenbar. Man sollte nachsichtig mit ihm sein. Vielleicht braucht er einfach noch eine Lizenz mehr, auch wenn er davon schon so viele hat. Ihm fehlt offenbar die zum würdevollen Älterwerden. – Da kann wohl nur Q helfen.

007

James Bond

Volker Behrens, Darf James Bond 50 werden?(gekürzt), Daniel Craig hat ein Problem: Eine Lizenz zum Töten ist noch lange keine zum #Älterwerden, #HamburgerAbendblatt, Freitag,  2. März 2018

Grüß mir die „Damen“ aus der Bar von Johnny Miller, besonders Molly mit ihrem roten Haar, die meine erste Liebe war, ja erste Liebe war, die Molly mit ihrem tizianroten Haar, und wird’s in meinem Leben einmal etwas stiller, denk ich gerne an diese alte Zeit zurück, ich träum von Evelin und Katrin, cheerio, cheerio, einen Gin…/Vico Torriani

 

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Was #rhythmischeMusik alles kann. Mit #Urkraft das #Leben verändern

Indischer Tanz

Der Tanz als Ausdrucksform

Seit es Menschen gibt, wird getanzt – für Fruchtbarkeit und gutes Wetter, für Jagdglück und Kriegsglück, für ein langes Leben und aus schierer Lust zur Bewegung.Wie tief verankert der Groove (Musik im richtigen Rhythmus und Tempo)im Menschenhirn? Was ist genetisch, was ist kulturell bedingt? Sechs universelle Rhythmusmuster haben Forscher identifiziert, die Menschen kulturübergreifend zu gefallen scheinen. Man hat erforscht, wie fest diese Muster im Gehirn verdrahtet sind: Dafür sollte eine Gruppe von Menschen komplett a rhythmische Folgen von Trommelschlägen nachklopfen. Überraschenderweise bildeten sich bald erstaunlich klare Rhythmen heraus. Die Teilnehmer verwandelten zufällige Sequenzen in strukturierte Muster. Rhythmusempfinden ist offenbar „tief verwurzelt“ im menschlichen Gehirn. Damit Musik mitreiße, gehöre allerdings noch mehr dazu: Ein Beat muss vorhersehbar sein und dennoch überraschen.

Gute Musiker wissen intuitiv, wie wichtig die Magie des Unregelmäßigen ist. Sie lassen bestimmte Schläge aus, betonen dafür andere stärker. Erst der Akzent auf dem letzten Achtel treibt den Tango voran. Walzer schwingt durch mehr Wumms auf der ersten Zählzeit, Reggae wird lässig, weil zwischen den Grundschlägen betont wird. „Groove“ nennen es die Musiker, wenn ein Rhythmus wirklich jedem in die Glieder fährt. Vor allem Soulnummern animieren Testhörer zum Mitwippen. Das ist kein Zufall: Es ist Musik mit afroamerikanischen Wurzeln, aufgeladen mit starken Emotionen, dazu gedacht, Menschen in Bewegung zu versetzen.

Paartanz

Tanz zu zweit

Einerseits hat der Tanz eine wichtige Funktion bei der Partnerwahl, andererseits hilft er auch bestehende Beziehungen zu festigen. Deutlich wird das beim Paartanz: Sich gemeinsam in einen Rhythmus einzuschwingen schafft innige Nähe, die als Beziehungskitt dienen kann. Tanzende senden Signale der Verbundenheit aus. Ob brasilianische Samba, spanischer Flamenco oder senegalesischer Sabar: Rhythmus und Tanz sind tiefgreifende soziale Erfahrungen. Es entsteht ein „kollektives Aufwallen“, das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Und das gilt für die Schaumparty auf Mallorca genauso wie für traditionelle Tänze.

Auf den Marquesas-Inseln im Südpazifik beispielsweise lebt seit einiger Zeit das „Matava’a“ neu auf, das „Augen auf“-Festival . Bis zu 2000 Tänzerinnen und Tänzer versammeln sich alle zwei Jahre auf einer der Inseln, um die alten Traditionen zu pflegen und in die Moderne zu führen. Dem Spektakel beizuwohnen gilt als zutiefst spirituelle Erfahrung. Zum monotonen Ton der Trommeln tanzen die Einheimischen den „utu“, einen Kriegstanz. Männer mit massigem Körper stampfen mit den Füßen den kraftvollen Rhythmus, in den Händen die ‚U’u, die traditionelle Kriegskeule der Marquesaner. Viele der Tänzer sind tätowiert. Schweiß glänzt auf ihren muskulösen Oberkörpern. Die Frauen sitzen zwischen ihnen und setzen Kontrapunkte zum monotonen Beat. Früher hatten die Tänze rituelle Bedeutung: Bei Trauerfeiern oder Hochzeiten hat der Tanz eine wichtige soziale Funktion gehabt. Heute dagegen geht es eher um Identitätssuche und Wiederbelebung von Traditionen. – „Ein Volk, das nicht mehr tanzt, ist tot“.

Tanzen wirkt wie ein sozialer Klebstoff. Sich gemeinsam im Rhythmus zu bewegen fördert, was Menschen einzigartig macht: in einer Gruppe gemeinsam zu handeln. Allianzen zu schmieden, sich für den Krieg und für die Jagd stählen – all das geht besser im Tanz. Von jeher putschen sich Menschen auf diese Weise gegenseitig auf. So wirkmäßig kann die Kombination aus Bewegung und Musik erlebt werden, dass sich manche Menschen dadurch bis ins Transzendente befördert fühlen. Die Anhänger des muslimischen Mevlevi-Ordens beispielsweise praktizieren bis heute den Wirbeltanz. Ihr Drehen gilt als eine Form des Gebets, die den Tänzer Gott näherbringen und die Menschheit in Liebe umfassen soll.

Auch bei den Ritualen der afrobrasilianischen Candomble-Religion tanzen sich die „filhos de santo“, die Auserwählten, in einen tranceähnlichen Zustand. Die Gläubigen sind davon überzeugt, dass sie ihren eigenen Körper dabei dem Geist einem ihrer Götter zur Verfügung stellen, der erst dadurch mit den Menschen in Kontakt treten kann. Entrückt wirken die Tänzer, wenn sie sich gar dem Rhythmus hingeben. Der Hormonrausch beim Tanzen macht gelassen und glücklich – ein Umstand, den sich auch die Medizin zunutze macht. Bei Parkinsonkranken etwa kann Tanzen die Bewegungsfähigkeit verbessern. Schmerzpatienten schenkt der Tanz Linderung. Auch Traumapatienten, Autisten, Demente und Depressive lassen sich so behandeln. Das alles ist möglich, weil Rhythmus und Tanz auf heilsame Weise Körper und Geist zusammenführen… „Wer mit dieser Urkraft in Verbindung kommt, verändert sein Leben.“

ANMUT

Solche Anmut

Philip Bethge, Göttlicher Groove (Auszug), Der Mensch ist ein Tänzer, Doch warum nur?, Forscher beginnen das rauschhafte Verhalten zu enträtseln, Experimente zeigen: Die rhythmische Bewegung zu Musik verführt und verbindet – und kann sogar Kranken helfen, Anthropologie, #DERSPIEGEL,  7/2018

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Aktives #Lernen oder #Vorlesungen und Zaubersprüche?

In der Schule

Schüler beim Lernen

Mit einer ungewöhnlichen Methode bringt Lernrevolutionär Wieman heute zwölf Studenten aus Fachbereichen wie Geologie, Mathematik und Medizin bei, wie sie Studenten später besser unterrichten können. Mit dem richtigen Unterricht kann jeder in jedem Fach riesige Fortschritte machen. „Aktives Lernen“ heißt diese Methode heute: Studenten machen lassen, korrigieren, weitermachen lassen, wieder korrigieren, eine Art Autodidaktentum, aber unter Anleitung eines Mentors.

In der Tat zeigen aktuelle Studien, dass (fast) jeder (fast) alles lernen kann. Wichtig bei der Methode des aktiven Lernens ist der richtige Umgang mit Fehlern oder falschen Vorstellungen. Wieman liebt Irrtümer. Er ist überzeugt, dass Fehler wertvoll sind – je abwegiger, desto besser. Denn er sieht Fehler nicht als Niederlage, sondern als Chance, daran zu wachsen. Bei ihm im Seminar muss jeder Student ständig für sich allein neue Aufgaben bearbeiten. Die Lösungen werden dann gemeinsam im Kreis  mit allen anderen Studenten diskutiert – angeleitet von Wieman, der als oberster Fehlersucher und Korrektor fungiert. Selbst Unsinn feiert er noch als Erfolg. Bei ihm wird der Fehlerteufel zum Fehlerengel. Wieman schwänzte die Vorlesungen in Optik oder Atomphysik oft. Lieber bildete er sich im Labor fort, durch Ausprobieren und Scheitern und Weitermachen… Mit dieser zupackenden Lerntechnik schaffte er es bis in den Olymp seines Fachs. Nach der Nobelpreisehrung stellte er seine Physikkarriere zurück und widmete sich fortan seinem Lebensthema: Lernen lernen.

Lernen damals

Früher mussten nur Jungen zur Schule

Das Mitschreiben per Hand stört beim aktiven Mitdenken, das Mitschreiben am Notebook aber ist noch störender. Gut dagegen schneiden spielerische Techniken ab, etwa interaktive Abstimmung („Clicker“ genannt), bei denen die Studenten einfache Ja-Nein-Fragen beantworten müssen, wie man es von Quizshows kennt. Die häufige Rückmeldung von Studenten erlaubt den Lehrenden, den Lernfortschritt besser einzuschätzen. Am besten aber, so zeigte sich, sind die Ergebnisse beim aktiven Lernen. Die von Wieman propagierte Methode hat inzwischen auch deutsche Universitäten erreicht. Leider ist Deutschland in Bildungsfragen eher konservativ. Fehler gelten eher als Tabu und Makel, nicht als Anreiz zum Bessermachen. Grob geschätzt wird das aktive Lernen in Deutschland aber bereits in einem von hundert Seminaren eingesetzt.

Zu der Überraschung von #Wieman kam der größte Widerstand gegen das aktive Lernen ausgerechnet von den Meistern der Zahlen: Mathematiker waren oft am zögerlichsten, auf Vorlesungen zu verzichten.

Hilmar Schmundt, Der Fehlerengel (Auszug), So wird jeder zum Genie: Der amerikanische Physiknobelpreisträger Carl Wieman feiert große Erfolge mit seiner Ausbildungsmethode, die auf „aktives Lernen“ setzt, Pädagogik, #DERSPIEGEL  7/2018

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#Rezensionen. Die #Rätsel der #Evolution. Die #Anolis-Echsen

Eidechse auf einem Sandweg

Zauneidechse huscht meist unter einen Stein

Wenn wir die Evolution noch einmal ablaufen ließen, wie sähe die Krone der Schöpfung beim nächsten Mal aus? Wäre es wieder ein Primat, der höhere Intelligenz entwickelt? Würden überhaupt irgendwann intelligente Wesen entstehen. Und falls doch, dann müsste es nicht unbedingt ein Primat sein. Vielleicht wäre  es ein Vogel oder sogar ein Oktopus. Es macht Spaß, sich Gedanken darüber zu machen. Und außerdem verrät es etwas über das Wesen der Evolution. In seinem Buch* befasst sich Professor Jonathan Losos  mit der Frage, ob die Evolution unberechenbar und vom Zufall bestimmt ist oder ob sie vorhersagbaren Wegen folgt.

Von den Anolis-Echsen gibt es rund 400 Arten, weit mehr als von jeder anderen Art von Reptilien. Wir wissen nicht, warum diese Echsen so viele Arten hervorgebracht haben. Aber es könnte etwas mit dem farbigen Kehllappen zu tun haben, den sie bei der Balz aufstellen. Daran können sie ihre Artgenossen von Mitgliedern verwandter Spezies unterscheiden. Das dürfte die Artenbildung beschleunigen. Eine weitere Besonderheit der Anolis-Echsen ist bedeutsam: Es scheint, als verlaufe die Evolution dieser Echsen alles andere als zufällig. Anolis-Echsen(gehören eher zu den Ausnahmen als das Schnabeltier mit Entenschnabel, Biberschwanz, Giftstachel und Elektrosinn) leben auf allen großen Karibikinseln: auf Kuba, Hispaniola, Puerto Rico und Jamaika. Auf jeder dieser Inseln findet man mehrere Arten. Und diese Arten sehen einander so ähnlich, dass man sie nicht auseinander halten kann. Trotzdem sind sie keineswegs gleich, sie sind nicht einmal eng verwandt. Sie haben sich völlig unabhängig voneinander an dieselbe Nische angepasst. Ein Phänomen, das man in der Biologie Konvergenz nennt.

Man kann sogar mit der Evolution experimentieren: Lange Zeit hat sich da keiner herangetraut, weil alle dachten, dass es viel zu lange dauere, bis man Ergebnisse kriege. Charles Darwin hatte erklärt, dass die Evolution sehr, sehr lange langsam verlaufe, und mehr als ein Jahrhundert sind ihm die Leute gefolgt. Zweifel kamen erst auf, als man merkte, wie schnell sich Resistenzen gegen Antibiotika oder gegen Pestizide verbreiten. Anfang der achtziger Jahre wurden dann die ersten Freilandexperimente mit Guppis(lebend gebärender Zahnkarpfen) durchgeführt. Und siehe da: Sie veränderten sich binnen weniger Jahre. Auch wollte man herausfinden, ob Echsen, die sich auf dünnen Ästen bewegen, kürzere Beine bekommen. Dazu wurden Anolis-Echsen auf kleinen Inseln ausgesetzt. Dort gab es nur Gestrüpp mit kleinen Ästen. Nachdem sich die Echsen eine Weile fortgepflanzt hatten, waren ihre Beine tatsächlich im Schnitt kürzer geworden. Diese Evolution folgt also vorhersehbaren Wegen!

Allerdings ist der Zufall experimentell schwer zu greifen. Eindrucksvolle Befunde hat Richard Lenski mit seinen bahnbrechenden Langzeitexperimenten mit E.coli-Bakterien  erbracht. Er setzte zwölf genetisch identische Zellen selektivem Druck aus, und eine davon verwandelte sich in eine neue Spezies. Das ist schon sehr ungewöhnlich. In dieser einen Bakterienpopulation ist tatsächlich eine der großen evolutionären Glücksfälle gelungen.

Kann Forschung die Gesetze der Evolution ergründen? Kann sie uns helfen, unsere Zukunftspläne zu bewältigen? Als Professor Losos für sein Buch* recherchierte hatte er erwartet eine Fülle von Beispielen zu finden, wo evolutionäre Vorhersagen von praktischem Nutzen sind, etwa wenn es um Antibiotikaresistenzen und oder die Entwicklung neuer Medikamente geht. In Wirklichkeit gibt es aber bisher nur wenig Beispiele.

Die Erkenntnis, dass die Evolution schneller verläuft, gibt Anlass zur Hoffnung, Pflanzen und Tiere können sich offenbar besser an eine veränderte Umwelt  anpassen als befürchtet. Allerdings ist die Veränderung groß und vielfältig. Es geht nicht nur um die globale Erwärmung, sondern auch um die Zersplitterung der Lebensräume, die Versauerung der Meere, die Verbreitung invasiver(einfallender) Arten.

Wir Menschen werden uns nicht anpassen im Sinne der evolutionären Anpassung. Die Triebfeder dafür ist die natürliche Auslese, also die Überlebenstüchtigkeit, und die spielt für uns Menschen, zumindest in den Industrieländern, kaum mehr eine Rolle.

*Jonathan Losos: „Improbable Destinies – Fate, Chance, and Future of Evolution“, Riverhead Books, 384 Seiten. – Die deutsche Ausgabe erscheint voraussichtlich am 12. März 2018

Johann Grolle, „Von einem anderen Stern“(Auszug), Musste der Mensch sich auf Erden entwickeln? Und wie konnte eine Kuriosität wie das Schnabeltier entstehen? Der Biologe Jonathan Losos, 56, über große Fragen der Evolution, #DERSPIEGEL, SPIEGEL-Gespräch, 50/2017

 

 

 

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