#Völlig #vergeigt: #Debatten zum #Schulstart von #Erstklässlern. – Ist auch #egal.

Begegnung auf dem Flur

Mit einer Mischung aus Unehrlichkeit, Aufmerksamkeitsgier und wütendem Gekreische bekommen wir noch jedes Thema kaputtgequatscht, sogar die Selbstverständlichkeit, dass Erstklässler – ganz gleich, ob biodeutsch, migrantisch oder klingonisch – die Grundzüge der Sprache beherrschen sollten.

Unsere Deppendebatten lenken zuverlässig ab vom eigentlichen Problem: Pünktlich zum Schulstart gibt da ein Politiker (CDU) ein Interview, mit dem er nicht zwingend unseren Kleinen eine bessere Zukunft verschaffen, aber sein Profil als Konservativer schärfen will.  – Die politische Konkurrenz wirft Floskelkonfetti („Fremdschämen“, „Populismus“, „rechter Sumpf“), und wir Kommentatoren ( Hajo Schumacher) schalten den Empörungsautomaten ein.

Alle weisen allen nach, dass irgendwo irgendetwas nicht ganz korrekt ist. Fazit: Der kollektive Blutdruck ist gewaltig in die Höhe geschossen. Alle Diskutanten haben Abscheu voreinander kundgetan.

Ach, Moment mal, worum ging es bei dem tagelangen Gequatsche eigentlich? Um die Erfolg versprechendste Lernmethode, um Stärken und Schwächen der verpflichtenden Vorschule, von kleineren Klassen, zweisprachigem Unterricht oder sanften Druck auf Eltern? Wir wissen es nicht. – Ist auch egal.

In der Grundschule

Im Klassenzimmer

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher über Empörungsautomaten, Was scheren uns die Kinder, solange wir schön debattieren (Auszug), SCHUMACHERS WOCHE, #HamburgerAbendblatt, Sonnabend/Sonntag, 10./11. August 2019

 

 

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#PolinaDaschkowa: In ewiger Nacht. Rezension

Segen statt Angst und Finsternis

Auszug/1.Kapitel: „Sie wären gern ein kleines Mädchen, Sie möchten, dass jemand Ihnen über den Kopf streicht, die Decke zurechtzupft und Ihnen ein Märchen vorliest, ein schön gruseliges. Mochten Sie als Kind Gruselmärchen? Erinnern Sie sich an die Geschichten vom roten Klavier im Pionierferienlager, nachts im dunklen Schlafraum? Aus dem Klavier kam eine Totenhand und erwürgte erst den Großvater, dann die Großmutter, dann die Mutter und den Vater. Und zum Schluss die Tochter. Ihnen stockte das Herz in Erwartung der eiskalten Hand, die nach der Kehle griff. Lange Finger, geschmeidig wie Würmer. He, Frau Doktor, warum sagen Sie nichts?“…

Inhalt/Klappentext: Olga ist Ärztin in einer psychiatrischen Klinik. Sie ist verheiratet und hat zwölfjährige Zwillinge. Seit kurzem betreut sie einen Patienten, der offenbar das Gedächtnis verloren hat. Olga nimmt ihm das jedoch nicht ab. Was er ihr erzählt, erinnert sie an einen Mann, der im Internet obszöne Erzählungen und Kinderpornographie verbreitet. Nie wieder wollte Olga mit solchen Dingen zu tun haben. Vor anderthalb Jahren waren sie und ihre Kollegen kläglich daran gescheitert, einen Serienmörder zur Strecke zu bringen.

Der Misserfolg hatte sie noch lange seelisch belastet. Doch als im Fernsehen vom Tod der fünfzehnjährigen Shenja berichtet wird und alles so sehr der Mordserie von damals ähnelt, kann sie nicht anders, als sich wieder einzumischen, auch wenn sie dabei mit ihrer Jugendliebe zusammen arbeiten muss.

Polina Daschkowa ist die  beliebteste Krimiautorin in ihrem Land

Polina Daschkowa, In ewiger Nacht, Rezension, Roman, aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt,  Originalausgabe erschienen 2006 im Verlag Astrel, Moskau, Aufbau Verlag, Berlin 2010, 1. Auflage 2010, 452 Seiten

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#Erinnerung und #Leben der #ConstanciadelaMora. Eine Rezension

Die Erinnerungen der Constancia de la Mora geben einen tiefen Einblick in das Leben des spanischen Volkes. Auch in das Leben der spanischen Frauen, die unter dem monarchistischen Regime ein mittelalterliches Dasein führten. Wie viele Mädchen der herrschenden Kreise wurde auch die junge Constancia de la Mora, die aus dem spanischen Adel stammt, mit falschen Ehr- und Moralbegriffen von Kirche und Elternhaus in klösterlicher Abgeschiedenheit erzogen. Dennoch waren die fortschrittlichen und freiheitlichen Ideen stärker als die Unterdrückung. Constancia de la Mora fand den Mut, Standesdünkel und falsche Moralbegriffe abzustreifen. Eine unglückliche Ehe konnte sie lösen und sich das Leben in ihrem Sinne zu gestalten.

Als das spanische Volk eine demokratische Republik wählte und daraufhin dem bewaffneten Überfall der eigenen und fremden Faschisten ausgeliefert wurde, stand auch die Autorin, zusammen mit ihrem Mann, einem hohen Fliegeroffizier, auf der Seite der spanischen Republik. Mit außerordentlichem Verständnisse schildert sie den Kampf ihres Volkes gegen den Faschismus. Sie zeigt die Hintergründe, die zur Niederlage des demokratischen Spaniens führten. Voll starker Anteilnahme verfolgt der Leser die Leiden des in halbfeudalen Verhältnissen lebenden spanischen Volkes und seinen heroischen Freiheitskampf. Das Buch ist ein hervorragendes Zeitdokument. Es bleibt aber doch in erster Linie das leidenschaftliche Bekenntnis einer tapferen Frau, ihrer Leiden, Liebe und Kämpfe.

Erster Teil: Meine Kindheit im Spanien der Tradition. – Zweiter Teil: Ehe: Lebenszweck der spanischen Frau. – Dritter Teil: Das Erwachen Spaniens. – Vierter Teil: „Lieber Witwe eines Helden als Frau eines Feiglings!“

EPILOG: ES lebe die Republik! „SPANIEN DEM SPANISCHEN VOLKE!“ – Den Faschisten wird es nicht gelingen, Spanien und sein Volk faschistisch zu machen; eine Handvoll Verbrecher sind nicht Spanien. Wir Spanier lieben die Gerechtigkeit und stellen die Selbstständigkeit unseres Landes hoch über alles. Nichts wird uns daran hindern, unsere verlorene Freiheit wieder zu gewinnen; denn Tausende, Millionen von Spaniern sind weiterhin bereit, ihr Leben dafür hinzugeben,  wenn es denn anders nicht sein kann. Das geeinte spanische Volk wird sich ein wahres Vaterland erschaffen, kraft seines Willens und kraft seines Heldenmuts.  ES LEBE DIE REPUBLIK!New York, im Juli 1939

CONSTANCIA DE LA MORA, DOPPELTER GLANZ, Die Lebensgeschichte einer spanischen Frau Klappentext/Rezension, Spanischer Originaltitel: DOBLE ESPLENDOR, 1. Auflage 1949, 5.Auflage 1959 Dietz Verlag Berlin, 675 Seiten

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#Schutz gegen #Depression und #Burnout. – eine #Rezension

Klaus Bernhardt hat sein *Buch nicht nur für Erkrankte geschrieben, er möchte auch Helfer und Angehörige ermutigen, seine Vorschläge und Techniken selbst vorbeugend als Schutz gegen Depression und Burnout zu nutzen. Chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird. Klaus Bernhardt unterscheidet klar zwischen Stress und Burnout. Burnout sollte möglichst nicht mit Medikamenten wie Antidepressiva behandelt werden. Diese verlangsamen häufig die Denkfähigkeit des Gehirns und zeigen auch andere einschränkende Nebenwirkungen.

Harmonie und Gelassenheit

Leider lasse sich Burnout nicht einfach mit Work-Life-Balance (Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit) beheben. Das Problem ist häufig nicht das Fehlen von Hobbys oder Freizeit. Es ist der Mangel an echter Erholung. Das A und O der Therapie ist Achtsamkeits- Training und Outsourcing. Burnout-Betroffene sollten lernen, nicht ständig daran zu denken, was alles noch zu erledigen ist, denn nur so können sie sich am Augenblick stressfrei erfreuen, also achtsam sein.

…Sonst schlägt das Herz schneller und ist nervös

Bei der Gesundung spielen außer positivem Denken auch Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte eine Rolle. Als bestes Mittel gegen Burnout empfiehlt der Autor radikale Selbstliebe. „Ein wenig Durchhaltevermögen“sei allerdings bei der Bearbeitung der Probleme schon gefragt, doch dafür „ist das Ergebnis umso erfreulicher“. Nach dem Lesen des *Buches kann man im Selbstversuch loslegen, um entspannter durchs Leben zu gehen. Der Ratgeber ist eine anregende Ergänzung zu medizinischer und therapeutischer Hilfe.

 

*Klaus Bernhardt: „Depression und Burnout loswerden“, Ariston, 252 Seiten, 18 Euro

Heike WANDER, Radikale Selbstliebe und Durchhaltevermögen (Auszug), Der Autor Klaus Bernhardt gibt Tipps, wie man Depressionen und einen Burnout leichter überwinden kann, #HamburgerAbendblatt, VON MENSCH ZU MENSCH, Sonnabend/Sonntag, 20./21. Juli 2019

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Eine #Bootsfrau verlässt das sinkende Schiff. Ein Leserbrief

 

Mit dem rustikalen Abräumen der bisherigen Spitzenkandidaten und der Nominierung einer Last-Minute-Überraschungskandidatin haben die handelnden EU-Regierungschefs den EU-Gegnern, allen voran den britischen Brexit-Befürwortern, eine Steilvorlage geliefert.

 

Politische Hinterzimmer-Kungelei vom Allerfeinsten! Fremdsprachenkenntnisse scheinen für eines der höchsten politischen Ämter, das die EU zu vergeben hat, wichtiger zu sein als politische Qualifikation: Von der Leyen würde (siehe Datum!) als derzeitige Verteidigungsministerin in der Bundeswehr einen gigantischen Trümmerhaufen ungelöster Probleme hinterlassen:

 

Das Murmeltier verschläft mehrere Monate im Erdbau

dramatischer Personalmangel, Flugzeuge und Hubschrauber, die nicht fliegen, Schiffe und U-Boote, die im Hafen bleiben müssen, Kampfgewehre, die nicht treffen, Verdacht auf Korruption bei externen Beraterverträgen, rechtsradikale Erscheinungsformen in der Truppe, amateurhafte Vertragsgestaltung bei der Renovierung der „Gorch Fock“ mit unfassbarer Kostenexplosion usw. Lösungsansätze?, politische Verantwortung? Fehlanzeige! Offenbar ist die derartige „Erfolgsbilanz“ einer Ministerin die richtige Empfehlung für eines der höchsten Ämter innerhalb der EU. – Michael D. Bargteheide, #HamburgerAbendblatt, Briefe an die Redaktion, Gigantischer Trümmerhaufen, 4.Juli: „Von der Leyens schwierige Mission“, Von Anfang Juli 2019

Was wird aus Europa?

 

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#Warlich – wahrlich ein #König der #Tätowierer! – ein deutscher #Urvater der #Szene

Tätowierer Warlich mit Kunde um 1930: „Politik, Erotik, Athletik, Aesthetik, Religiös!!

Christian Warlich gilt als der Urvater der  deutschen Tattoo-Kunst. Seine Illustrationen waren wegweisend. Er konnte Tattoos nicht nur anbringen, sondern war auch einer der Ersten, der sie professionell wieder entfernte. Schon als Jugendlicher stach er seinen Schulkameraden Motive auf die Haut. Im Alter von 14 Jahren verließ Warlich sein Elternhaus und zog nach Dortmund, wo er einige Tätowierer kennenlernte. Als Heizer heuerte er auf dem Passagierschiff „Imperator“ an, es brachte ihn nach New York. Dort erstand er wohl seine erste Tätowiermaschine – und brachte sie nach Deutschland.

Die Restauratorin treibt vor allem eine Frage um: Schimmelt hier etwas?

Der Hautlappen hat die Größe eines Handtellers. Ein Tattoo zeigt zwei Vögelchen. Sie tragen zwei Anhänger in Herzform. Die Schnäbel berühren sich. Links neben den Anhängern steht der Name „Edith“, rechts daneben „Werner“. Oben: Treue Liebe“

In Hamburg angekommen meldete er eine Schankwirtschaft an. In einem Separee, abgetrennt durch einen Vorhang, stach Warlich fortan die Tattoos, die ihn weltberühmt machen sollten. Eines von ihnen ist auf dem Hautstück zu sehen, das nun vor Silke Beiner-Büth auf dem Tisch liegt: satte Farben und schwungvolle Linien mit zarten Fettungen, die Buchstaben hier und da etwas bauchiger machen; so hob sich Warlich von der Konkurrenz ab. Das Hautstück ist eines von 29, die sich derzeit im Museum für Hamburgische Geschichte befinden. Beiner-Büth muss erklären, wie man sie konserviert, ohne dass sie Schaden nehmen.

Die Mixtur dieses Ablösemittels galt lange Zeit als Geheimnis des Tattoo-Königs: Warlich hatte 1935 das Tattoo eines Matrosen entfernt, worauf sich dessen Hand entzündete; als die Gesundheitsbehörde davon erfuhr, musste der Tätowierer seine Methode in einem Brief dokumentieren. Er beschrieb die Rezeptur: destilliertes Wasser, Äther, Kali, Kochsalz, arsenfreie Schwefelsäure. Warlich trug die Tinktur in der Regel mehrmals auf die betreffende Stelle auf und konnte die Haut, sobald sie abgestorben war, mit einer Pinzette abziehen. Es blieb eine Narbe zurück. Zehn der Hautstücke mit den Tattoos von Christian Warlich gehören seit 1965 dem Hamburger Museum.Die Historiker kauften der Witwe Magdalena Warlich einen Teil des Nachlasses ab.

Das zentrale Objekt in Warlichs Nachlass aber ist sein berühmtes Vorlagealbum. Bis zum frühen 20. Jahrhundert hatten Tätowierer ihre Vorlagen in Büchlein mit sich getragen; so zogen sie durchs Land. Als sie dann mehr und mehr sesshaft wurden, kamen die „Flash Sheets“ in Mode. Das waren größere Blätter, die Warlich und andere in ihre Warteräume und Schaufenster hängten. Dann kamen Kunden ins Haus!

In seiner Kundenansprache wurde Warlich über die Jahre deutlicher. Auf einer Werbekarte, vermutlich aus den Vierzigerjahren heißt es: „Alles, was der männliche Körper ausdrücken soll, steche ich ein: Politik, Erotik, Athletik, Aesthetik, Religiös!!“ Erst 1962 meldete Warlich sein Tätowier-Gewerbe offiziell an, zwei Jahre vor seinem Tod.

Bei Instagram können Nutzer unter dem Hashtag  #inspiredbywarlich Bilder von Tattoos posten, die von Warlich-Motiven angeregt sind.

Yannik Ramsel, NADELKÖNIG (Auszug), Geschichte, Kunsthistoriker erforschen den Nachlass Christian Warlichs – und lüften dabei so manches Geheimnis des Urvaters der deutschen Tattoo-Szene, #DERSPIEGEL, Wissenschaft,  Nr. 26/22.6.2019

 

 

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Gibt es Alternativen zu #Tierversuchen?

Tiere sind Geschöpfe und dürfen nicht leiden; und nicht jeder Zweck heiligt hier jedes Mittel. Jedoch verdanken  wir den Tierversuchen der Antike (beginnend um 500 vor Christus) die ersten Arzneien und Operationen, ganz zu schweigen von der späteren Erforschung von Insulin, Antibiotika, Impfstoffen gegen Pocken und Influenza. Und solange es für zwei Drittel aller heute bekannten Krankheiten keine Therapie mit Heilerfolg gibt, brauchen wir die Forschung an lebendenOrganismen.

Die einzige Alternative zu Tierversuchen wäre, den Menschen zugunsten der Tiere leiden und sterben zu lassen. –  Was deshalb nicht geht: Die Errungenschaften der Medizin wie selbstverständlich zu nutzen, gleichzeitig aber strikt gegen Tierversuche zu sein.

Eine frühere Kollegin kämpfte fast fanatisch gegen Tierversuche Für ihre Migräneattacken gab es für sie allerdings nur ein Mittel, was wirklich half.  – Meine intensiven Nachforschungen haben ergeben, dass es ihr segensreiche Medikament ohne Tierversuche überhaupt nicht geben würde.

Peter Hahne, Auch wenn es Wehtut: Es geht nicht ohne Tierversuche (Ausschnitt), Rettet das Zigeuner-Schnitzel! Empörung gegen den täglichen Schwachsinn . Werte, die wichtig sind.

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#Kinderbücher im #Wandel der #Zeit. – Was nicht in die Zeit passt, wird passend gemacht, jawohl!

Müssen Kinderbücher umgeschrieben werden? In Otfried Preußlers 1957 erschienenen Bestseller „Die kleine Hexe“ soll jetzt die Fastnachtsszene gestrichen werden. In der Fastnachtsszene verkleiden sich die Kinder als „Negerlein, Türken mit weiten Pluderhosen, Hottentotten-Häuptlinge und Eskimofrauen“. Und bei „Pippi Langstrumpf“ wird der „Negerkönig“ in „Südseekönig“ umbenannt. Mark Twains „Tom Sawyer“ müsse sowieso schnellstens ganz aus dem Verkehr gezogen werden. Darin kommt nämlich 219 (zweihundertneunzehn) Mal das Wort Nigger vor.

„Winnetou“von Karl May

Warum sollte man aus Karl May die Indianer streichen, die Bleichgesichter aber nicht? – Warten wir’s ab. Was uns die Zukunft noch alles beschert. Mit dem politischen Wandel ist eben alles möglich. – Das Schöne an den Märchen ist, dass sie eben nicht zeitlos sind. Märchen lassen unsere Fantasie bewusst in andere Epochen mit ihrem zeittypischen Milieu reisen. Die Neusprech-Jünger mit der politischen Korrektheit wollen uns das aber verbieten.

Auch Kinderbuch-Klassiker sind Kunst und Kultur. Sie zu korrigieren wäre dumme Zensur. Sie zu interpretieren ist intelligente Pflicht. Man kann den Kindern beim Vorlesen Zeitbezüge vor Augen halten. Ich vertraue dem klärenden Gespräch der Eltern mehr als dem Rotstift intoleranter Tugendwächter. Wer Texte umschreibt, um ihnen das Anstößige zu nehmen, macht aus ernsthafter Literatur gefälligen Schund.

Peter Hahne, Rettet die Kinderbücher vor der Sprachpolizei! (Auszug), Rettet das Zigeuner-Schnitzel!, Empörung gegen den täglichen Schwachsinn. Werte, die wichtig sind, quadrigaverlag, 2014

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Auch #Angstmacher können sich irren!

Helmut Schmidt (ehemaliger Bundeskanzler) sagte in einem Interview: „Wir haben heute zu viele Propheten des Pessimismus. Was wir brauchen, sind Propheten des Optimismus: „Mein Freund, der Baum, ist tot“. Solche und ähnliche Prognosen waren in den Wind gesungen. Die warnenden Vorhersagen des grün-ökologischen Troubadours Reinhard Mey zum Beispiel: Einst sang er: „Es gibt keine Maikäfer mehr“. Kurz darauf drohte die größte Maikäfer-Plage seit 50 Jahren. – Auch der Wald im ersten Beispiel war als Ganzes kaum ernsthaft in Gefahr.

Im Internet kursiert eine Generationengeschichte: „Wenn Du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier Folgende nichts mit Dir zu tun. Verschwinde! – Kinder von heute dagegen werden in Watte gepackt. Wenn Du als Kind in den 50er-, 60er- oder 70er -Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten! Als Kinder saßen wir im Auto ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen auch klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Niemand wusste, wo wir waren, und wir hatten nicht einmal ein Handy dabei!

Zwei Freunde

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Wir tranken mit unseren Freunden  aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. – Was wir nicht hatten: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Surround-Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms. – WIR HATTEN FREUNDE!

Peter Hahne, Angstmacher am Ende (gekürzt), Schluss mit lustig, Das Ende der Spaßgesellschaft johannis-verlag, 2004

Ein wahrer Freund!

 

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Was ist bloß – los mit uns?

50 Jahre nach dem Wirtschaftswunder sind die Deutschen nur noch Weltmeister im Jammern, im Wehklagen, im Nörgeln und Nölen, im Stöhnen und Seufzen – und das auf höchstem Niveau. Gerade jene Generation, die in die Euphorie des Wirtschaftswunders hineingeboren und mit üppigen Wachstumsraten aufgewachsen ist, verlässt der Mut.

Die „New York Times“ sieht uns „wie narkotisiert von Jahrzehnten des Wohlergehens“. Und das US-Magazin „Newsweek“ porträtiert uns „im scharfen Gegensatz zur historischen Selbstwahrnehmung als wilden germanischen Stamm mit teutonischem Mut und alemannischer List“. Geblieben ist ein Volk im Selbstmitleid. Hierzulande Optimist zu bleiben zu wollen kommt einer Realitätsflucht gleich.

Ängste über Ängste in Deutschland. Das geht weit über die einzelnen Wehwehchen hinaus und wird zum kollektiven, apokalyptischen Endzeitgefühl, zum Fünf- Minuten-nach-zwölf-Gefühl. – Verfolgt man die Medien, ist alles tot: Atomtod, Strahlentod, Kältetod, Hitzetod, Seuchentod, außerdem: Waldsterben, Walsterben, Schildkrötensterben, Krötensterben… Gift im Auto, Gift im Abgas, Gift auf dem Fahrrad, Gift ohne Fahrrad, Gift in der Kosmetik, Gift ohne Kosmetik, Gift in der Bionahrung, Gift in der Milch, Gift im Salat. Gift im Spinat. Gift in der Nudel (Giftnudel/toxic noodle). Und so weiter und so fort. Gift im Medikament. Sozusagen Gift im Gift.“ Von „german angst“ sprechen die Amerikaner, und unsere (direkten) Nachbarn nennen Angst „typisch deutsch“.

Was sich so locker liest, fragt letztlich nach der Rolle der Medien in unserer ängstlichen Erregungsdemokratie und nach Wirkungen dieser Angst. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Auf dem Boden der Angst ist noch nie etwas Gutes gewachsen. Angst lähmt und hemmt, lässt resignieren. Angst fördert die Rückzugsmentalität ins Private, die Flucht in die Sucht einer das Ego befriedigende Konsumgesellschaft…

Peter Hahne, Weltmeister im Wehklagen (Auszug), Schluss mit lustig, Das Ende der Spaßgesellschaft, johannis-verlag, 2004

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