#Strafe und #Belohnung in der #Erziehung

Strafe und Schmerz

Strafe und Schmerz

Was bringen Strafen in der Erziehung? Sie wirken auf verschiedene Art und Weise. Vor allem schädigen sie den Selbstwert der Kinder, das Vertrauen zueinander, und sie belasten die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Wir wollen mit den Kindern Konflikte schnell lösen und nutzen dafür oft unbewusst unsere Macht aus. Wir versuchen es auch über Erklärungen und hoffen auf Einsicht unserer Kinder. Nur klappt das häufig nicht. Am Ende läuft es auf ein Verbot hinaus. Frustrationen können wir nicht verhindern. Eltern versuchen häufig, ihre Kinder auf der Vernunftebene zu überzeugen. Dabei wissen wir aus der Hirnforschung, dass die dafür wichtigen Strukturen erst später vollends heranreifen. Die Kinder fühlen sich gar nicht angesprochen, sie sind noch vorwiegend von Emotionen bestimmt. Über die Gefühle können wir Kinder aber gut erreichen: „Mensch du ärgerst dich aber gerade gewaltig.“ Damit ermöglichen wir ihnen die wichtige Erkenntnis: Das, was ich gerade fühle ist also Ärger. Das macht die Sache noch nicht besser, unterstützt die Kinder jedoch dabei, langfristig ihre emotionale Landkarte kennenzulernen. Irgendwann schaffen sie es, sich selbstständig zu regulieren. Strafen unterbrechen diesen Lernprozess, die Kinder erfahren nichts über ihre Gefühle. Im Gegenteil – sie lernen eher, sie zu unterdrücken.

Wir brauchen Kinder gar nicht weder durch Strafen noch durch Belohnungen zu motivieren. Wir wissen heute, wie wichtig die sogenannte Selbstwirksamkeit ist; der Wunsch etwas aus eigener Kraft zu schaffen, ist in uns angelegt. Wenn Kinder eine innere Bestärkung erfahren, weil sie etwas allein gemeistert haben, dann verankert sich das tief in ihrem Selbst. Strafen und Belohnungen stören diesen inneren Antrieb. Eine Belohnung ist immer auch ein kleiner Misstrauensantrag: Man traut dem Kind nicht zu, etwas aus eigenem Antrieb zu vollbringen. Man schafft nur dann sein Kind richtig einzuschätzen, wenn man dessen Grundbedürfnisse kennt: Geborgenheit und Nähe, das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu sein, so wie man ist. Dann ist es wichtig, präsent in den Beziehungen zu seinen Kindern zu sein. Viele Eltern sind oft gar nicht richtig da. Sie sind mit dem Kopf noch bei der Arbeit, wollen schnell eine Mail beantworten, schreiben gerade eine SMS mit jemanden. – Doch zum Beispiel beim Ins-Bett-Gehen sind Kinder auf jemanden angewiesen, der ihnen hilft herunterzukommen, sich zu entspannen. Jemand, der nicht richtig anwesend ist, beruhigt nicht – er verunsichert eher zusätzlich.

Alles, worum es hierbei geht, ist zu versuchen, die Kinder in ihrem Verhalten besser zu verstehen, ihre Signale zu lesen und zu übersetzen. Allein besseres Verstehen hilft schon, Nerven zu schonen: Ein Beispiel hat Katharina Saalfrank in ihrem Buch* beschrieben: Ein fünfjähriger Junge streitet sich mit einem anderen Kind auf der Rutsche und haut zu. Der Vater schnappt ihn sich, schimpft, setzt ihn auf eine Bank, er solle sich gefälligst überlegen, was er getan habe. – Mit solcher Gardinenpredigt ist niemandem geholfen. Wichtig ist zu wissen: Kinder können sich in dem Alter noch nicht so gut mit Worten abgrenzen. Also tun sie es physisch, indem sie hauen. Mit einer Strafe oder einem Verbot ist so ein Konflikt nicht konstruktiv zu lösen. Das Kind weiß meistens schon, dass Treten und Hauen nicht in Ordnung sind. Aber es tut es trotzdem. Weil es noch keine anderen Strategien hat und nicht anders kann. Indem wir jetzt nur schnell versuchen, sein Verhalten zu ändern, sehen wir nicht, was tatsächlich dazu geführt hat, dass das Kind sich – in diesem Fall durch Hauen – abgegrenzt hat. Der Junge auf dem Spielplatz hat lediglich verstanden: „Ich hab etwas gemacht, was nicht in Ordnung ist.“ Es wäre sinnvoll, wenn der Vater seinem Sohn hier Handlungsalternativen vorleben könnte und nicht einfach das Verhalten bestrafte.

Erziehung?

Erziehung?

Man kann etwas Gutes bewirken, indem man die Kinder in ein Gespräch bringt, Gefühle spiegelt: „Was ist passiert, worüber ärgert ihr euch so?“ Allein die Möglichkeit zu haben, das mit einem Gefühl verknüpfen zu können hilft den Kindern, mehr über die eigenen Bedürfnisse zu erfahren. Es geht dann nicht darum, welches Kind recht hat, sondern wie die beiden das unter sich klären können. – Unbewusst greifen viele Eltern auf Muster zurück, die sie aus ihrer Kindheit kennen, und nicht selten sind das eben Abwertung, Strafe, Missachtung. Unser Gehirn bedient sich in Stresssituationen dessen, was sich tief in die emotionalen Netzwerke (Unterbewusstsein) eingebrannt hat. So kann es dazu kommen, dass wir unsere Kinder mit den Vorwürfen überhäufen, die wir aus unserer Kindheit kennen, und plötzlich so klingen wie unsere eigenen Eltern.

Die betroffenen Eltern müssten bewusst eine Verbindung zu sich selbst herstellen und schnell ablaufende Muster verlangsamen. Es gibt immer einen Punkt, an dem man das  Abgleiten in das übliche Verhalten stoppen kann. In Stresssituationen kann man auf seinen Körper achten, sich bewusst entschleunigen, bevor man in Schreien und Wut gerät. Das braucht ein wenig Übung und Geduld. Man kann in Akut-Situationen auch eine Notfallstrategie entwickeln: ein paar ruhige Atemzüge, im Ernstfall auch mal den Raum verlassen. Das ist besser, als das Kind wegzuschicken, es zu bestrafen oder anzuschreien.

Wenn es einem von uns in der Familie nicht gut geht, sollten alle bereit sein miteinander zu sprechen, wir sollten uns gegenseitig zuhören, fragen, wie es uns gerade geht, was jeder fühlt. Danach sollte man fragen, was wir tun können. – Miteinander reden, sich austauschen – das findet vor allem im Alltag statt. Bei den Hausaufgaben, beim Abspülen, beim Zähneputzen. Und es sollten auch nicht nur Konflikte besprochen werden. Sondern die Frage gestellt werden: „Wie geht es dir?“

Kerstin Kullmann, „Es geht um Wut, Trauer, Schmerz“( Auszug ), #SPIEGELGespräch, Die Pädagogin Katharina Saalfrank plädiert für eine Erziehung ohne Strafen – und erklärt, wie es Eltern gelingt, ihren Kindern die Dämonen der eigenen Jugend zu ersparen, #DERSPIEGEL, 41 / 2017

*Katharina Saalfrank: „Kindheit ohne Strafen“, Beltz, 264Seiten, 17,95 €

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2 Kommentare zu #Strafe und #Belohnung in der #Erziehung

  1. Marta sagt:

    Guten Tag Tuscade,
    vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Gibt es bereits Studien, welche diese Erziehungsmethode stützen?
    Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder, welche ohne Grenzen aufgezogen werden, diese auch als Erwachsene nicht erkennen.
    Die dargestellte Erziehungsmaßnahme ist sehr interessant, ich bezweifle jedoch die Funktionalität selbiger.
    Sind es nicht die „Kinder ohne Grenzen“, welche am ehesten die Grenzen durch die Polizei erfahren müssen? Wenn die Kinder nicht von den Eltern lernen, dass Schlagen falsch ist und bestraft wird, lernen Sie es spätestens, sobald diese strafmündig sind. Wenn die oben ausgeführte Herangehensweise, des Fragens nach Gefühlen, nach dem Ausführen einer von der Gesellschaft als Falsch angesehenen Handlung (Schlagen), funktionierte, müsste dann nicht die Polizei auch jeden Straftäter nach deren Gefühlen und Beweggründen fragen, statt diesen zu bestrafen? Weiter gedacht: Würde dies nicht die Gesellschaft umdenken lassen (Gewalt ist ok, sofern die dahinterstehenden Gefühle verstanden werden.)?
    Ich persönlich bin für Bestrafung und Belohnung. Kinder können noch nicht wissen was richtig oder falsch ist. Ich denke jede Maßnahme sollte den Kindern jedoch erklärt werden. Eine Kombinaion aus der o.g. Methode und der Bestrafung und Belohnung hört sich für mich gut an. Eine Möglichkeit beim Schlagen wäre die Folgende: Ist es das erste Mal, wird dem Kind erklärt, dass Gewalt keine Lösung ist. „Jeder darf auch mal böse sein, aber Hauen tut weh und das andere Kind weiß dann doch gar nicht warum du böse bist. Entschudlige dich jetzt bitte und sag deinem Freund was du doof fandest.“ Passiert dies jedoch öfter, muss die Grenze aufgezeigt werden. In diesem Fall würde ich erneut mit dem Kind sprechen, das Spielen mit dem Freund jedoch als Maßnahme abbrechen.
    Wie sind deine Erfahrungen?

    Liebe Grüße
    Marta

    • tuscade sagt:

      Liebe Marta,
      Dank für Deinen interessanten Kommentar als Antwort auf meinen Eintrag.
      Unsere Erziehungsmethoden unterscheiden sich voneinander, wie auch wir als Menschen verschieden sind. Wir sind von den eigenen Erfahrungen und den Gepflogenheiten unserer Zeit geprägt, meine Einstellungen sind auch meinem Jahrgang geschuldet. Meine Devise lautet nämlich: „Im Zweifel Mitgefühl für unsere Kinder“. Diese Devise beruht auf den Erfahrungen meiner Kindheit und Jugend, „dass Schwächeren oft Unrecht geschieht“. – Im Nachkriegsdeutschland waren Papi und Mammi – Mutter und Vater genannt, „Putzhilfen“ hießen „Dienstmädchen“… Gestresste Eltern und Lehrer bestraften ihre Schutzempfohlenen, meine Altersgenossen oder mich, durch Prügel. Prügel zu bekommem war wie unser täglich Brot. Pubertätsgebahren wurden durch enge Wohnverhältnisse verschlimmert. Erkennt man sich nicht heute in manchem „Problemkind“ wieder? Statt es der vergangenen Generation gleich (in Punkto Erziehung) zu tun, habe ich mich von den Fesseln fer Vergangenheit befreit und mich einer weniger autoritären, eher liberalen Erziehungsmethode hingewandt. Diese entspringt mehr einem Bauchgefühl – als lästiger Kopfarbeit.
      Herzlichst, tuscade

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