#Psychiater, #Therapeuten und andere #psychiatrische Experten in der Talkshow

Psychiater und Patientin

Psychiater und Patientin

Der Psychiater Manfred Spitzer ließ vor Erregung die anderen Gäste in Anne Wills Talkshow kaum zu Wort kommen. Drei Wochen später überraschte der 73-jährige Hans Joachim Maaz an derselben Stelle mit seiner Meinung zur psychischen Gesundheit der Kanzlerin. Beide Auftritte sind stark kritisiert worden, auch von Kollegen: Wie könne man mit dem autoritären Habitus eines gestandenen Mediziners Einschätzungen vortragen, die bar jeder wissenschaftlichen Grundlage seien? Und dabei auch noch küchen-spychologische Ferndiagnosen über amtierende Politiker stellen? Zudem mit so auffällig schlechten Diskussionsmanieren im Fernsehen auftreten, gerade als Psychiater? Die Frage ist: Gibt es eine Grenze für öffentliche Aussagen von Psychiatern, und woran erkennt man sie? Kann es Richtlinien dafür geben, wann wir klare Aussagen über den Zustand einer Person treffen und wann wir besser schweigen sollten, um eine ohnehin aufgeregte Gesellschaft nicht weiter zu verunsichern? Ich ( *Kalbitzer ) sehe deshalb nur sehr wenige Konstellationen, in denen es gerechtfertigt sein kann, öffentlich aus der Ferne über die Gesundheit anderer Menschen zu spekulieren. Wenn ernsthafte Sorgen um die seelische Konstitution bestehen, dann sollte das immer mit der Person selbst oder ihrem direkten Umfeld geklärt werden. Diagnosen über die Medien richten mit Sicherheit mehr Schaden an, als dass sie helfen.

Grundsätzlich sind wir Psychiater darauf vorbereitet, die Grenze dessen, wozu wir uns öffentlich äußern sollten, zu erkennen und uns daran halten. Wir müssen in unserem Alltag permanent vorsichtig und mit Bedacht mit der Macht umgehen, die wir über andere Menschen haben. Weil Menschen sich uns anvertrauen und sich zwar die Sicherheit eines standardisierten Verfahrens wünschen, dann aber trotzdem immer einen Therapeuten wollen, der sie individuell behandelt. Und wie trennt man die individuell richtige Therapie von gefährlicher therapeutischer Willkür? Eine große Verantwortung! In unserer Ausbildung lernen wir deshalb eine wichtige Fähigkeit: unsere eigenen inneren Dämonen wie Eitelkeit, Geltungssucht, Angst und übertriebene Wut zu erkennen und aushalten zu können. „Containment“ nennt man dieses Aushaltekönnen im Fachjargon. Nur wenn wir diese Fertigkeit erwerben, können wir in unserer Arbeit rational bleiben und auch in sehr komplexen emotionalen Situationen professionell reagieren.

Wenn wir uns an öffentlichen Debatten beteiligen, dann sollten wir dort genau diese Fähigkeiten anwenden, um der Verantwortung unseres Berufs gerecht zu werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein psychiatrischer Experte nur so lange einer ist, wie er nicht vorschnell urteilt oder die Contenance verliert. Dann kann er immer noch eine Privatperson mit einer wichtigen Meinung sein. Aber in dem Moment, in dem er sich seinen Gefühlen hingibt oder gar dem Bedürfnis nach schneller Aufmerksamkeit, gibt er seine therapeutische Urteilskraft auf.

Die Frage ist allerdings, ob Medien bei der Auswahl der eingeladenen Experten nach diesen Kriterien entscheiden wollen. Manche Psychiater machen eine Sendung offenbar, gerade weil sie aus der Haut fahren, für die Macher spannend. Dann sollte man sie aber nicht als Vertreter ihres Fachs einladen, sondern in der Rolle, die sie bei ihrem Auftritt einnehmen. Zum Beispiel als „kontroverser Buchautor, -stößt gerne öffentliche Debatten an“. Oder „Rentner aus Halle, -ärgert sich über die Bundeskanzlerin“.

Jan Kalbitzer, Aus der Ferne ( Auszug ), Essay, Wozu Psychiater lieber schweigen sollten, #DER SPIEGEL, Seite 128- 129, Nr. 49 /3.12.2016

*In seinem Buch „Digitale Paranoia“ plädiert Jan Kalbitzer dafür, dass sich Psychiater nicht durch unfundierte Warnungen vor dem Internet in die öffentlichen Debatten einschalten sollten.

Freud'sche Psychoanalyse

Freud’sche Psychoanalyse

DER SPIEGEL 51/2016, Leserbrief. Der Kollege hat mir aus dem Herzen gesprochen. Unsere Zunft (Psychiater) täte gut daran, sich in öffentlichen Debatten selbstkritisch zurückzunehmen und sich auf die bloße Faktenlage zu reduzieren, statt unzulässigerweise hochspekulativ Diagnosen aus der Ferne zu stellen. Hier drohen vielfältige Gefahren wie Manipulation, Missbrauch und Populismus. – Dr. med. M.P., Recklinghausen

 

 

 

Über tuscade

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