Hintergründe zu #Thomas Melles Buch in der Longlist des Deutschen Buchpreises

„Ich wehre mich gegen das Klischee von Genie und Wahnsinn. (der Autor). Es glorifiziert und dämonisiert die Erkrankten zugleich. Das ist so wie bei den „mad scientists“ in Comics und Filmen. Es rückt sie noch weiter von den normalen, gesunden, funktionierenden Menschen weg. Zum Künstlermythos gehört eine Portion Wahnsinn, was in der Außenwahrnehmung schon stimmen kann. Der Mythos bedient die Sehnsucht der Leute nach Intensität, Aufregung und Exzess. Aber sie vergessen, dass der Preis hoch ist. Ich würde meine Mitgliedschaft in diesem illustren Klub gern mit sofortiger Wirkung kündigen.

Mein neues Buch* ist Literatur, doch alles ist wahr, nichts erfunden. Es geht nicht um Effekt und Drastik, es geht um mein Leben, um meine Krankheit in Reinform. Ich muss mir meine Geschichte zurückerobern, sie erzählbar machen und damit enttabuisieren. Ich muss mich stigmatisieren um mich zu entstigmatisieren. Ich wusste nie, wer von meiner Krankheit weiß. Ich spürte vermehrt ein gewisses Tuscheln. Die Krankheit ist ja ein Tabu. Die Leute wissen nicht, welche Fragen sie stellen dürfen, oder sie urteilen einen einfach hintenrum ab. Wer etwas wissen will, kann es jetzt nachlesen*.

Ich bin jetzt nicht wieder ganz der Alte, den gab es nie. Aber es gibt einen Glutkern, einen Rest vom Ich. Das vor allen Krankheiten da war, und an dem ich festhalte. Es hört sich wie ein Schlager an, Peter Maffay: Irgendwo tief in mir bin ich der Student von 1999 geblieben. Der vor Ausbruch der Krankheit. Ich finde das gar nicht so unangenehm. Ich muss nicht auf die Weise erwachsen werden wie die anderen. Gerettet hat mich ein Freund, der mir immer zur Seite stand. Auch gab es meinen Agenten. Es gab, bei allen Komplikationen, meine Mutter. Und es gab das Glück der Liebe in finsteren Zeiten. Dazu das Indie-Argument wie ich es nenne: Ein Oberarzt wies mich darauf hin, dass Lithium in der Natur vorkomme, sodass kein Pharmakonzern viel daran verdiene. Da dachte ich, okay, dann muss es helfen.

Medikamente retteten mein Leben, aber gleichzeitig arbeiteten sie gegen mich. Das Lithium löste eine starke Akne aus, weshalb ich es durch Valproinsäure ersetzt habe. Auch da gibt es zig Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Haarausfall, Trägheit, eine Gedämpftheit der Gefühle und des Denkens. Mein Sexualtrieb ging zwischenzeitlich gegen null. Ich weiß nicht, was Medikamente fürs Schreiben bedeuten. Aber ich frage mich manchmal, inwieweit mein Stil heruntergepegelt, „klassischer“ ist. Ist es nur das Alter, das Ende von „Sturm und Drang“, das mich weniger auffahrend erzählen lässt, weniger grell und expressiv? Oder ist es die Valproinsäure, die ja die Spitzen im Gefühlleben kappen soll, nach oben und nach unten? Ich habe den Verdacht, dass die Medikamente in meine Sätze einsickern, bis in ihre Struktur hinunter. Aber es geht mir besser, immer besser. Und der mögliche Tausch wäre, hochzufliegen und womöglich ganz zu verbrennen.

Ich hoffe und, ja, ich bete von einem Rückfall verschont zu bleiben. Sollte ich doch mal wieder manisch werden, möge mir jemand mein Buch* in die Hand drücken. Es könnte eine Rettung sein“.

*Thomas Melle, Die Welt im Rücken, Rowohlt Berlin, August 2016, 348 Seiten, € 19,95.

Tobias Becker, ein Gespräch mit dem Autor, „Ein hirnversengter Clown“, SPIEGEL-Gespräch. Der Schriftsteller Thomas Meller leidet seit Jahren an der bipolaren Störung. Er kritisiert den veränderten Umgang mit psychisch Kranken und wehrt sich gegen den Mythos von Genie und Wahnsinn.  DER SPIEGEL, Kultur. 35/2016.

 

Über tuscade

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