#Narzissmus: Bin ich nicht groß, schön und intelligent, oder was?

Der Pfau, ein Narzist?

Der Pfau, ein Narzisst?

Wo man hinschaut, selbstverliebte Alphatiere, männliche und weibliche Egozentriker, Junge und Alte, die sich vor allem mit sich selbst beschäftigen. Im Fernsehen, im Internet, im Alltag, in den Reality- und Castingshows, in denen sich Möchtegernmodels und Traumtänzer in Szene setzen, in den sozialen Netzwerken, wo auf Instagram täglich 80 Millionen Bilder geteilt werden, unzählige davon mit dem wichtigsten Motiv eines digitalen Lebens: dem Selfie. Wer arrogant auftritt oder eitel, snobistisch oder exhibitionistisch, selbstverliebt, egozentrisch, unempathisch, wer leicht kränkbar ist und Kritiker runterputzt, kurz wer ein ziemlicher Unsympath ist, gilt heute als Narzisst. Keine andere psychologische Diagnose ist tiefer in unsere Alltagssprache eingesickert. Es ist die Modediagnose einer Gesellschaft, in der – nach „Du Nazi“ – kaum eine größere Beleidigung vorstellbar scheint als „Du Narzisst“. Schlimmer nur: „Du hast eine narzisstische Störung.“

Es ist ein Schimpfwort für vermeintliche Soziopathen, die eine Gesellschaft zu prägen scheinen, die weder Empathie kennt noch Solidarität. Eine Gesellschaft, die sich womöglich selbst für krank hält. Mal ist daran der Neoliberalismus schuld oder dieses vedammte Internet. Und nur eines scheint gewiss: Eine Gesellschaft aus Narzissten scheint dem Untergang geweiht. Zeitdiagnostiker, Soziologen und Psychologen reden von einer „Narzissmus-Epidemie“, einer „Ich-Inflation“ – und davon, dass sich die Verbreitung der narzisstischen Störung kaum noch beherrschen lasse, „ähnlich der Pest im Mittelalter“. Der Narzissmus sei die „Leitneurose unserer Zeit“.

Richtig berühmt machte Narzissmus als Begriff der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud. Er unterschied einen primären und einen sekundären Narzissmus. Der primäre Narzissmus sei der normale, gesunde Seelenzustand jedes Säuglings, der völlig auf sich selbst bezogen sei; der sekundäre Narzissmus eher eine Störung älterer Menschen, die in den frühkindlichen, egozentrischen Zustand zurückfielen, um ein verunsichertes Selbstwertgefühl zu bekämpfen. 1979 war es dann der amerikanische Historiker und Sozialkritiker Christopher Lasch, der in einem berühmten, brillant formulierten Buch das Zeitalter des Narzissmus anprangerte. Viele seiner Überlegungen, etwa die zur damals neuen Selbstverwirklichung durch Yoga und naturreine Nahrungsmittel oder jene zur wachsenden Furcht vor Alter und Tod, lassen sich noch heute mit Gewinn lesen. Das Buch gibt das Muster vor, wie wir fast 40 Jahre später über Narzissmus sprechen.

Zur Ursache von gesteigertem Narzissmus gibt es zwei Theorien: zu wenig oder zu viel Bestätigung in jungen Jahren. Der Narzisst musste als Kind hart um Liebe und Anerkennung kämpfen, indem er seinen Eltern, seinem Umfeld und sich selbst ein perfektes Selbst vorspielte. Die zweite Theorie ist neuer: Der Narzisst bekam zu viel Anerkennung, wurde von Helikoptereltern verhätschelt. „Auch ein verwöhntes Kind ist ein verlassenes Kind. Das Kind lernt nicht richtig, wer es ist. Es denkt, die Welt will es als Superhelden.“

Die Gesellschaft scheint sich einig, dass Narzissmus zu verurteilen ist: als eine Macke, wenn nicht eine Geistesstörung. Natürlich hat die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte gelitten unter der Egomanie mancher ihrer Führer, und sie wird möglicherweise noch leiden unter den vermuteten Psychopathologien von Trump oder auch Putin. Aber war nach heutigen Maßstäben nicht auch Martin Luther ein Narzisst? Abraham Lincoln? Muhammad Ali? Leonardo da Vinci? Che Guevara? David Bowie? Wäre die Menschheit so weit  gekommen ohne all diese Narzissten? Ist Narzissmus nicht auch ein Treibstoff, der wie Angst Großes produziern kann? Kann es sein, dass wir eine einfache Wahrheit aus dem Blick verloren haben: Nicht jeder, der stört, ist auch gestört?

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci

Craig Malkin, ein Psychologe, gibt persönliche Erinnerungen preis: „Meine Mutter war die wunderbarste und zugleich unausstehlichste Person, die ich je kannte. Eine große und blonde Frau, ansteckend witzig, ungeheuer fürsorglich, sozial engagiert. Mit zunehmendem Alter aber wurde sie ichbezogener: Sie prahlte mit ihren früheren Leistungen als Balletttänzerin, ließ in Gesprächen die Namen berühmter angeblicher Bekannter fallen, registrierte ängstlich jede Falte. – Als sie jünger war hätten ihr andere Menschen durch Zuwendung und Komplimente vermittelt, etwas Besonderes zu sein. Dieses Gefühl habe ihre Lebensbejahung genährt, ihr Selbstvertrauen, ihren Mut, ihre Dynamik, ihre Herzlichkeit. Als sie nicht nur ihr strahlendes Aussehen verlor, habe sie andere Wege finden müssen, sich als etwas Besonderes zu fühlen. – Der ach so verrufene Narzissmus ist damit nichts anderes, als eine menschliche Angewohnheit, sich selbst aufzurichten“. –

Der Schweizer Autor Schawinski schreibt in seinem Buch: „Das Internet ist die technologische Weiterentwicklung der Geschichte von Narziss. Anstelle eines Spiegelbilds in einem nahen See hat man heute sein Spiegelbild immer und überall zur Hand und will sich unzählige Male bewundern lassen“. – Seit Jahren hat Schawinski eine eigene Talkshow im Schweizer Fernsehen, bei der es durchaus vorkommt, dass der Moderator mehr spricht als seine Gäste. – Auf Kritik an seinem Buch, er habe Abschnitte aus Wikipedia, dem SPIEGEL und der „Zeit“ übernommen, ohne dies kenntlich zu machen, reagierte er so: „Es geht um Passagen, die nicht zentral sind.“ Auch putzte er den Kritiker vom Zürcher „Tages-Anzeiger“ runter, nannte die Beweisführung „sackschwach“ und mutmaßte, „die Zeitung wolle sich mit seiner Prominenz offensichtlich Aufmerksamkeit für den bedenklich schwachen Kulturteil holen“. Fairerweise muss man sagen, dass Schawinski auch folgende Anekdote über sich erzählt hat: Als er sein Buch dem Kein-&-Aber-Verleger Peter Haag schmackhaft machen wollte, habe er zu Haag gesagt: „Ich habe ein Buch geschrieben, bei dem es überhaupt nicht um mich geht.“ Haag war überrascht, aber angetan und fragte, worum es gehen solle. „Um Narzissten.“ Good Joke, sagte Haag, guter Scherz…

Narzissten , das sind immer die anderen.

Literatur zum Thema: Roger Schawinski, Ich bin der Allergrößte. Warum Narzissten scheitern, Kein & Aber, Zürich , 224 Seiten, 20 €.

Tobias Becker, Die größte Liebe unseres Lebens (zur Veröffentichung im Blog angemessen gekürzt), Zeitgeist, Narzisst ist das Schimpfwort der Stunde, Narzissmus gilt als Leitneurose der emanzipierten Gesellschaft. Doch nicht jeder der stört, ist auch gestört. DER SPIEGEL, 26/2016, Kultur.

Leserbrief/Selbsterhöhung: Narzissmus heißt vor allem: andere in den Staub treten, um sich selbst besser zu fühlen, also: narzisstische Selbsterhöhung. Diese war früher genauso beliebt wie heute in Zeiten des Cyber-Mobs, und Frauen sind darin nicht schlecher als Männer. Das  gilt für den Pöbel ebenso wie für die narzisstische Prominenz. – J.V./Brauweiler. DER SPIEGEL, 27/2016

Über tuscade

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INTERNATIONAL VERSION OF PROFILE:
Tuscade, born 23 November 1939, Brno, Czech Republic. – Academic Librarian. – Son of Reinhold and Hanna Luise Willamowski. – Married Sibylle Zwirner. – 2 sons, 1 daughter. – Education: Degree in Physics. – Appointments: Captain, German Airforce, 1961-62, – Teacher Hamburg, Germany, 1966-70, – Information Broker, Universität der Bundeswehr/Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, 1966-2004. – Influence: Interest in Referencing (Library), Prof. Dr. Adolf Knappwost (German) , Randolph E. Hock. Ph.D. (American) – Creative Works, Achievements include: Invention of semipermeable membranes for reserve osmosis.(Physical Chemistry), – Deutsches Patentamt: DAS 25 52 282 of 18.08.1977, – Personal Interests include Information Brokering, Web Searching, Website Developing, Gardening. – Honors and Awards: Listed in Who’s Who in the World, – 2000 Outstanding Intellectuels of the 21 st Century. – Nominated for: THE CAMBRIDGE CERTIFICATE for Outstanding Educational Achievement, 13 th November 2015, – HONORARY PROFESSOR of EDUCATION, 22 nd January 2016, The International Biographical Centre. – Personal Philosophy: Respect all Living. Be an Example to Your Children, Care for them, Give plenty of Love, but be hard of the Wicked, Train Yourself in Thinking, Work with Devotion, Because it Make You Happy, Fear Death if You have lived as a Villain, but not if otherwise. –
–The psychological descriptions are only some hints to the facts. Please contact to experts, if you need so. I taken’t any reponsibilities. And I also don’t try to raise any cash through my blog.–
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2 Kommentare zu #Narzissmus: Bin ich nicht groß, schön und intelligent, oder was?

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