#Worpswede um 1900 eine romantische Idylle?

Heinrich Vogelers großes Ölgemälde „Sommerabend“ steht im Mittelpunkt von Klaus Modicks Roman „Konzert ohne Dichter“.  Modick erzählt in Rückblicken auf jene Zeit und stöbert dafür in Vogelers Lebenserinnerungen und Rilkes Tagebüchern. Beide leben in Worpswede, in einer anfangs noch heilen Künstlerwelt nahe Bremen. Das Geschehen in dieser berühmten Künstlerkolonie liegt etwa 100 Jahre zurück. Dem anerkannten Maler und Grafiker folgen viele Künstler nach Worpswede. Der zu dieser Zeit ziemlich unsympathische Rilke ist mit von der Partie. Eine anfängliche Freundschaft zwischen beiden wird sich trotz ihrer Seelenverwandtschaft mit der Zeit ändern.

Vogeler und sein Werk werden von der damaligen Kunstwelt gefeiert. Er selbst zweifelt an seinen Fähigkeiten und seinem Können. „Das Bild zeigt Musizierende, aber es klingt nicht. Es bleibt stumm. Und die Lauschenden hören nichts. Sind taub“. Im Garten vor dem Barkenhoff sitzen zwei elegant erscheinende Frauen. Paula Becker, später Paula Modersohn – Becker  und Clara, später Clara Rilke – Westhoff. Der Platz zwischen ihnen bleibt leer. Dort steht ein leerer Stuhl, der an sich für Rainer Maria Rilke vorgesehen war. Damals vor etwa 5 Jahren, als Vogeler mit dem Bild begonnen hatte und sie noch Freunde waren. Inzwischen liegen Vogeler und Rilke im Zwist. Der Maler hat Rilke aus dem Bild gelöscht. Für Vogeler entpuppte sich Rilke als Egoist, Neider und Frauenheld. Auch ihre Ansichten über Kunst gingen auseinander. Rilke hoffte aus Vogelers Nähe Vorteile zu ziehen.

Von der außenstehenden Kunstwelt wird das berühmteste Gemälde Worpswedes als Meisterwerk gefeiert. Vogeler erhält die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Vogeler selbst („der Meister des Jugendstils“) sieht sich als Verlierer. „Das Bild ist meine Bankrotterklärung“. Er hat es im Laufe der Jahre immer wieder verändert: Birken und Buchsbaum ausgetauscht, Putz und Posen seiner Frau Martha neu gestaltet, Bild mit Hundin/ohne Hundin ( Barsoi Karla), sich selbst porträtiert und dabei hinter seinem Bruder versteckt… Eigentlich zeigt sein Werk eine zerrüttete Familie. Kummervolle Gesichter. Clara, Rilkes Ehefrau, schaut verbittert. Im Hintergrund beäugt Otto Modersohn die kleine Gruppe. Hatten nicht Clara und Paula ein Dreiecksverhältnis zum Dichter Rilke?

Heinrich Vogeler muss tun, als entspräche das Werk immer noch seiner eigenen Überzeugung. „Wie kann man ein Bild nur so gründlich missverstehen?“

Klaus Modick, Konzert ohne Dichter, Roman, Kiepenheuer&Witsch, 9. Auflage, 2015, 231 Seiten.

 

 

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Tuscade, born 23 November 1939, Brno, Czech Republic. – Academic Librarian. – Son of Reinhold and Hanna Luise Willamowski. – Married Sibylle Zwirner. – 2 sons, 1 daughter. – Education: Degree in Physics. – Appointments: Captain, German Airforce, 1961-62, – Teacher Hamburg, Germany, 1966-70, – Information Broker, Universität der Bundeswehr/Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, 1966-2004. – Influence: Interest in Referencing (Library), Prof. Dr. Adolf Knappwost (German) , Randolph E. Hock. Ph.D. (American) – Creative Works, Achievements include: Invention of semipermeable membranes for reserve osmosis.(Physical Chemistry), – Deutsches Patentamt: DAS 25 52 282 of 18.08.1977, – Personal Interests include Information Brokering, Web Searching, Website Developing, Gardening. – Honors and Awards: Listed in Who’s Who in the World, – 2000 Outstanding Intellectuels of the 21 st Century. – Nominated for: THE CAMBRIDGE CERTIFICATE for Outstanding Educational Achievement, 13 th November 2015, – HONORARY PROFESSOR of EDUCATION, 22 nd January 2016, The International Biographical Centre. – Personal Philosophy: Respect all Living. Be an Example to Your Children, Care for them, Give plenty of Love, but be hard of the Wicked, Train Yourself in Thinking, Work with Devotion, Because it Make You Happy, Fear Death if You have lived as a Villain, but not if otherwise. –
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