Wissen um den unausweichlichen Tod beeinflusst unser Leben

Jenseitsvision. Hieroymus Bosch. Ausschnitt.

Jenseitsvision.
Hieroymus Bosch.
Ausschnitt.

Professor Sheldon Solomon, College Saratora Springs (NewYork) hat sich fast sein gesamtes Berufsleben lang mit der Angst vor dem Tod befasst. Tief verborgen unter der Oberfläche seines Bewusstseins rumort ständig eine Panik. Unser Großhirn, das uns erlaubt, abstrakt und symbolisch zu denken, ist auch fähig zu begreifen,  dass unser Leben, wie das aller Lebewesen, endlich ist. Das erzeugt einen tiefen, lähmenden Schrecken. Jeder von uns muss mit diesem Schrecken leben.

Die Angst vorm Tod spielt bereits in der Bibel und im Gilgamesch-Epos eine Schlüsselrolle. Denn das Bewusstsein unserer Sterblichkeit ist der psychodynamische Angelpunkt unseres gesamten Verhaltens. Entsprechend gibt es wahrlich keinen Mangel an Denkansätzen von Philosophen, Künstlern, Theologen.

Wenn wir an unsere Sterblichkeit erinnert werden, macht uns das unerbittlicher gegenüber Verstößen gegen die Moral und feindseliger gegenüber Menschen, die anders sind als wir. Wenn die kulturellen Werte, mit denen wir uns identifizieren, gefährdet sind, dann aktiviert das unsere Todesfurcht – auch ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Da gibt es ein Beispiel, das wir uns näher angesehen haben (im College Saratoga Springs): Vor dem 11. September hatte George W. Bush so niedrige Zustimmungswerte wie kaum je ein amerikanischer Präsident vor ihm. Wenig später waren seine Werte rasch nach oben geschossen. Und warum? Weil er geschickt die Ängste der Leute ansprach. Terroristen sind nicht nur tückisch, sie sind auch clever: Was hatten sie als ihre Ziele gewählt? Das Pentagon. Die Twin Towers. Also genau die Symbole der amerikanischen Militär- und Wirtschaftsmacht und ihrer politischen Stärke. Und weil die Leute dies als Angriff auf ihre kulturelle Identität verstanden, schürten diese Anschläge nicht nur in New York, sondern auch in Michigan und Alabama die Todesängste.

Offenbar sehen wir immer nur die düsteren Anteile unserer kulturellen Identität durch die Todesangst gestärkt; sie machen uns nationalistisch, xenophob und intolerant. Warum eigentlich? Zur Kultur zählen doch auch positive Werte? Die Erinnerung an unsere Sterblichkeit verstärkt unseren Glauben, und zwar im Guten ebenso wie im Schlechten. Menschen, die sich als konservativ einschätzen, werden ablehnender gegen Andersdenkende, wenn man ihre Todesangst weckt. Liberale Menschen dagegen werden toleranter. Auch macht die Todesfurcht Menschen generell großzügiger und eher bereit, für wohltätige Zwecke zu spenden. Trotzdem überwiegen die negativen Effekte: Todesfurcht schürt unseren Hass gegenüber Menschen, die anders sind als wir. Sie verwandelt uns in gedankenlose Konsumenten, die mehr essen, mehr trinken und mehr rauchen. Und sie löst in uns Unbehagen gegenüber unseren Körper aus, gegen alles Sexuelle.

Was hat Sex mit dem Tod zu tun? Sex und Tod sind Zwillinge (sagte Ernest Becker) Als Solomon das zum ersten Mal gelesen hat, dachte er : „O Mann. Ich fühle mich in meiner Existenzangst doch schon elend genug. Und jetzt willst du mir auch die wenigen schönen Dinge verderben, die es im Leben noch gibt?“ Becker hatte recht: Sex hat etwas Animalisches. Es erinnert uns daran, dass wir Tiere sind. Also macht der Sex uns bewusst, dass auch wir sterben werden. Außerdem dient Sex der Fortpflanzung. Und indem wir uns fortpflanzen, erfüllen wir sozusagen unsere Mission auf Erden und geben das Staffelholz an die nächste Generation weiter. Auch das ruft uns unsere Vergänglichkeit ins Bewusstsein.

Ich werde oft gefragt (Solomon): Du denkst seit Jahrzehnten über den Tod nach, hat dich das von der Angst vor ihm befreit? Seine Antwort lautet: eher nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Forschung nur eine spezielle Art ist, den Tod zu verleugnen. Aber manchmal denke ich auch: vielleicht ja doch. Vielleicht bin ich doch ein paar winzige Schrittchen vorangekommen auf dem Weg hin zu einer Versöhnung mit dem Tod. Bei dieser Versöhnung hilft, wenn man sich klarmacht, dass noch schlimmer als die Sterblichkeit vielleicht die Unsterblichkeit wäre? Wenn wir unsterblich wären, hätte das Leben keine Bedeutung mehr. Es käme auf nichts mehr an. Sicher ist es eine gute Idee, sich auszumalen, wie schrecklich es wäre, in alle Ewigkeit fortzubestehen. –

Sheldon Solomon, „Zuflucht in der Schönheit“ SPIEGEL-Gespräch (zwischen Professor Solomon und Redakteuren des SPIEGEL), Wir müssen sterben – und leider wissen wir das. Der Psychologe Sheldon Solomon hat erforscht, wie die Furcht vor dem Tod unser Leben bestimmt, DER SPIEGEL, 25/2016, Wissenschaft.

 

 

 

Über tuscade

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