Der klügste Affe.

MenscheitsevolutionIn einer südafrikanischen Kaverne wird die älteste Gruft der Menschheit entdeckt. Die gefundenen Kieferknochen lassen darauf schliessen, dass man es mit etwas Menschähnlichem zu tun hat. 1550 Knochen und Zähne sind zutage gefördert worden. Die Gebeine gehören zu mindestens 15 verschiedenen Individuen einer zuvor unbekannten Menschenart. Die Morphologie der Knochen deutet darauf hin, dass die Körper vor sehr langer Zeit bestattet wurden. Unverkennbar trugen diese Menschen noch Merkmale von Menschenaffen. Ihr Gehirn war kaum größer als eine Orange: Diese Menschenart hatte nicht mehr Grips als Schimpansen. Von ihren Entdeckern werden sie Homo naledi getauft. So wird der Fund der Gattung Mensch zugeordnet. Dafür sprächen vor allem die kleinen Zähne, aber auch der ausgeprägte Zweibeinerfuß.
–Im Gebiet des afrikanischen Grabenbruchs tummelte sich einst eine verblüffende Vielfalt von Homininen. Zeitweise scheinen sich zwei, drei oder gar vier Vor- und Urmenscharten den Lebensraum geteilt zu haben. Die Evolution, so kristallisiert sich heraus, verlief keineswegs zielgerichtet auf den modernen Menschen(homo sapiens) zu. Vielfältig und unabhängig experimentierte die Natur mit der Gestalt des Beckens, der Gelenkigkeit der Hände, der Größe des Gehirns und der Fähigkeit, Werkzeuge herzustellen. Viele Experimente endeten in Sackgassen, die meisten Entwürfe der Evolution starben aus. Viel blieb im Wettstreit der Urmenschentypen den Launen des Zufalls und des Klimas überlassen. Dennoch setzt sich dabei ein umfassendes Szenario zusammen. Es schildert, wie ein zweibeiniger Menschenaffe aus seiner ökologischen Nische ausbrach und die Fesseln seiner Biologie lockerte.
–Ein klimatisches Wechselbad wirkt wie eine mächtige Evolutionsmaschine. Vor gut drei Millionen Jahren ähnelten unsere Vorfahren noch aufrecht gehenden Schimpansen. Kaum mehr als eine Million Jahre später betritt Homo erectus die Bühne. Schlank und hoch aufgeschlossen, ist er eine Läufernatur. Er lebt nicht im Wald, sondern in der offenen Savanne. Vor allem aber sein Verhalten ist neu. Fortbewegung und Statur, Lebensraum, Ernährung und Stoffwechsel, Sozialleben und Aufzucht des Nachwuchses – alles hat sich grundlegend verändert. Homo verlor die Fähigkeit zu klettern und perfektionierte stattdessen das Laufen auf zwei Beinen. Die Launen des Klimas hatten den Menschen zu einem Verwandlungskünstler gemacht. Statt sich jeweils an spezifische Umstände anzupassen, steigerte er seine eigene Flexibilität. Mitunter waren die Launen des Klimas schnell und tiefgreifend, um auch den Urahnen des Menschen arg zuzusetzen. Augenscheinlichster Ausdruck des Wandels ist sein Gehirn, das vor etwa 2,5 Mio. Jahren langsam größer wurde. Je intelligenter der Mensch wurde, desto besser konnte er sein Verhalten den Widrigkeiten des Klimas anpassen. Während andere Tiere in ihrer ökologischen Nische gefangen waren, gelang Homo der Ausbruch.

Menschheitsevolution Fast entsteht der Eindruck, als habe die Natur unterschiedliche Wachstumskurven systematisch getestet. Insgesamt verliefen diese zwar deutlich steiler als diejenigen des modernen Menschen; die ausgedehnte Kindheit, die den Homo sapiens kennzeichnet, gab es noch nicht. Doch auch im Vergleich zum Schimpansen zeigen sich markante Unterschiede. Bei einigen Homininen-Spezies ist die Kindheit merklich verlängert, bei anderen wiederum findet ein gegenteiliger Trend statt.
–Es fällt schwer sich vorzustellen, wie ein verschreckter Urmensch an Fleisch herankommen konnte. In der Savanne muss er doch für die Säbelzahnkatzen und Hyänen eine leichte Beute gewesen sein. Aber bereits vor 3,4 Mio. Jahren waren Homininen gelegentlich zu Fleischfressern geworden. Darauf weisen die Kratz- und Schabspuren auf Knochen hin, welche vom Urmenschen mit Werkzeugen bearbeitet wurden. Auch Aas könnte anfangs eine wichtige Fleischquelle gewesen sein. Doch es bleibt unklar, wie ein Hominine fähig gewesen sein sollte, große Raubtiere von gerissenem Wild zu verscheuchen. Auch war Beute, selbst wenn sie einmal erlegt ist, nicht einfach zu essen. Das Gebiss des Menschen ist dafür denkbar ungeeignet. Es fehlen ihm die Reißzähne von Löwe, Hund oder Bär. Weil ihre Zähne zum Schneiden schlecht taugten, fertigten sie sich allerdings eigene Schneidewerkzeuge an. Deren Herstellung war ein bedeutsamer Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Die Evolution fand nun außerhalb des menschlichen Körpers statt. Eine Bereicherung des Speisezettels durch proteinreiches Fleisch erlaubte es, ehemalige Grenzen zu überschreiten: Wie entfesselt konnte das Gehirn des Urmenschen wachsen. Zellen im Gehirn konnten sich fast unbeschränkt vernetzen.
–Homo erectus, der vor etwa 1,9 Mio. Jahren auftauchte, erwies sich schnell als das eigentliche Erfolgsmodell unter den Homininen. Als erster Jäger und Sammler hatte er eine ganz neue Lebensform entwickelt, eine ökologische Nische, die kennzeichnend für den Menschen bleiben sollte. Er war es auch, der als erster Hominine die Welt jenseits Afrikas erkundete und bis nach Europa und Ostasien vordrang. Homo erectus war ein vorzüglicher Langstreckenläufer. So hat er sich auf die Hetzjagd spezialisiert. In puncto Ausdauer waren ihm weder Ziege noch Gazelle gewachsen. Jäger und Sammler hetzten ihre Beute, bis sie erschöpft zusammenbrach.
–Die wirksamste und vielseitigste Waffe des Menschen aber war seine Intelligenz. Der Mensch setzte Fett an. Die überall im Körper angelegten Reserven dienten dazu, sicherzustellen, dass das Gehirn auch in Notzeiten mit einem steten Zufluss von Energie versorgt werden kann. Man vermutet zudem, vor rund zwei Mio. Jahren habe Homo erectus erlernt, das Feuer zu kontrollieren. Das Kochen habe dem Menschen bei der Nahrungsaufnahme eine erheblich höhere Energieausbeute beschert. Die Herrschaft über das Feuer mache auch verständlich, warum sich Homo erectus der Raubtiere erwehren konnte. Ein Wermutstropfen dieser Überlegungen besteht allerdings darin, dass wir bisher keine sicheren Hinweise auf Feuer gefunden haben. Die älteste Feuerstelle, die wahrscheinlich von Menschen genutzt wurde, liegt in Israel und ist gerade einmal 800 000 Jahre alt.
–Homo erectus hatte sich in seiner neuen Nische als Jäger und Sammler eingerichtet. Er erreichte die Statur eines modernen Menschen. Er hatte die Körperbehaarung verloren und das Laufen auf zwei Beinen perfektioniert. Sein Gehirn geriet außer Kontrolle. Es ist, als sei das Hirnwachstum nicht aufzuhalten gewesen. Dreimal hat die Natur das Schicksal des Homo erectus durchgespielt: Einmal ging aus ihm, nach der Auswanderung nach Eurasien, der Neandertaler hervor. In China sind seine Nachfahren als Peking-Menschen dokumentiert. In seiner afrikanischen Heimat schließlich entwickelte er sich zum modernen Homo sapiens fort.
Homo sapiensIn der neuesten Forschung werden die Gene untersucht. Die Wissenschaftler vergleichen Menschen- und Schimpansengenom. Es konnten jene etwa 1,4 Prozent des Erbguts identifiziert werden, in denen sich beide Spezies unterscheiden. In diesen Unterschieden müssen all jene Eigenschaften begründet liegen, die den Menschen auszeichnen. Weltweit wird das Erbgut des Menschen durchforstet. Es wird dabei nach Genen gesucht, die sich während der letzten Jahrmillionen der Menschheitsgeschichte verdoppelt haben. Solche so genannten Genduplikationen gelten als Ursprung vieler evolutionärer Innovationen.
–Vielleicht wird auch einmal gelingen, herauszufinden, was am Ende den Ausschlag dafür gab, dass der moderne Homo sapiens die Weltherrschaft er
langte. Viel ist darüber spekuliert worden, was den Neuankömmling so überlegen machte. –  Bald begann er sich auf allen Flecken der Erde zurechtzufinden. Er begann damit, die Umwelt seinerseits sich anzupassen: Der Mensch machte sich daran, den Planeten Erde zu gestalten.
-Johann Grolle,(Auszug), Der klügste Affe, Paläoanthropologie, Feingliedrig und klein war er, sein Hirn nur so groß wie eine Orange – der Sensationsfund von Südafrika zwingt die Forscher, ihr Bild von der Menschwerdung zu überdenken. Warum hat von allen Spezies nur der Homo sapiens überlebt, DER SPIEGEL, NR.38, Seiten 102-110, 12.9.2015.

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Ein Kommentar zu Der klügste Affe.

  1. tuscade sagt:

    Spiegel-Redakteure erhielten auch diesen Leserbrief zur obigen Veröffentlichung: „Ein großes Hirn, beherrscht von niederen Instinkten, ruiniert diesen Planeten. Unmöglich kann der Homo sapiens das letzte Wort der Evolution sein. Und wenn doch, hat diese Spezies den Untergang verdient.“

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