Mir sin nit Charlie.

–Als gebürtige Kölnerin betrachte ich den Kölner Karneval mit intrinsischem Heimatgefühl. In früher Kindheit habe ich an der Hand meines Opas keinen Rosenmontagszug versäumt und Kamellen gesammelt, als Katze oder Maus verkleidet (die Ohren waren wiederverwendbar). Ein Spielkamerad ging mal als „Muselmane“ mit angemaltem Bart. Ich erinnere mich noch an das Geheul, als sich plötzlich der Turban auflöste.
–An diese unbefangenen Zeiten musste ich denken, als das Festkomitee des Kölner Karnevals jetzt verkündete: Der geplante Charlie-Hebdo-Karnevalswagen darf nicht im Rosenmontagszug mitfahren. Auf dem Wagen stopft ein tapferer Jeck einem vermummten Selbstmordattentäter einen Zeichenstift in die Waffe. Plakate daneben zeigen die in Paris ermordeten Karikaturisten, eine Friedenstaube, europäische Flaggen und den Schriftzug: „Ich bin Charlie“. Außerdem pinkelt ein Idefix dem Terroristen ans Bein.
–Das ist noch keine satirische Speerspitze, aber für das Kölner Festkomitee war es schon zu viel. Alle Teilnehmer sollten „befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben“, heißt es in der Begründung des Karneval-Komitees. „Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht.“ Die von der eigenen Leichtigkeit benebelten Oberjecken mussten allerdings einräumen, dass sich viele Karnevalsvereine für die Mitfahrt auf gerade diesen Wagen beworben hatten, um ein Zeichen zu setzen.
–Im Internet hagelte es Kritik von „Zurücktreten!“ bis „Schämt euch!“. Mit diesem Vorgang haben wir ein Paradebeispiel für  vorauseilende Feigheit und die Preisgabe von Meinungsfreiheit. Karneval macht sich lustig über alle Obrigkeiten, penetrant und manchmal unterirdisch geschmacklos – das ist sein Sinn seit Jahrhunderten. Er hat sich gegen die Macht des katholischen Klerus und dann gegen die Bonner und Berliner Republik emanzipiert quasi hochgeschunkelt. Kanzler/innen , Ministerpräsidenten, Papst, Propheten, Moscheebau, Abtreibung – über alle und alles darf hergezogen werden. Muslime dürfen im eigenen Wagen auch die Ungläubigen verkackeiern. Wer das nicht erträgt und mit Gewalt beantworten will, darf nicht die Regeln bestimmen. Das wollen auch die Muslime nicht, die genau wegen dieser Regeln hier leben.
–Das Festkomitee hätte es verdient in einem eigenen Wagen vorgeführt zu werden. Karikaturisten wird dazu viel einfallen – irgendwas mit Umfallen und „Mir sin nit Charlie „wahrscheinlich. Oder mit „Wacht am Rhein“.
–Irene Jung, Jungs Zeitgeist, Motto der Narren: Mir sin nit Charlie. Das Festkomitee des Kölner Karnevals übt sich trotz Kritik in vorauseilender Feigheit und verbietet einen Wagen, der an Paris erinnert. (Auszug): Hamburger Abendblatt, Mittwoch, 4. Februar 2015. – Irene Jung schreibt jeden Mittwoch über Aufregendes und Abgründiges im Alltag. –

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INTERNATIONAL VERSION OF PROFILE:
Tuscade, born 23 November 1939, Brno, Czech Republic. – Academic Librarian. – Son of Reinhold and Hanna Luise Willamowski. – Married Sibylle Zwirner. – 2 sons, 1 daughter. – Education: Degree in Physics. – Appointments: Captain, German Airforce, 1961-62, – Teacher Hamburg, Germany, 1966-70, – Information Broker, Universität der Bundeswehr/Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, 1966-2004. – Influence: Interest in Referencing (Library), Prof. Dr. Adolf Knappwost (German) , Randolph E. Hock. Ph.D. (American) – Creative Works, Achievements include: Invention of semipermeable membranes for reserve osmosis.(Physical Chemistry), – Deutsches Patentamt: DAS 25 52 282 of 18.08.1977, – Personal Interests include Information Brokering, Web Searching, Website Developing, Gardening. – Honors and Awards: Listed in Who’s Who in the World, – 2000 Outstanding Intellectuels of the 21 st Century. – Nominated for: THE CAMBRIDGE CERTIFICATE for Outstanding Educational Achievement, 13 th November 2015, – HONORARY PROFESSOR of EDUCATION, 22 nd January 2016, The International Biographical Centre. – Personal Philosophy: Respect all Living. Be an Example to Your Children, Care for them, Give plenty of Love, but be hard of the Wicked, Train Yourself in Thinking, Work with Devotion, Because it Make You Happy, Fear Death if You have lived as a Villain, but not if otherwise. –
–The psychological descriptions are only some hints to the facts. Please contact to experts, if you need so. I taken’t any reponsibilities. And I also don’t try to raise any cash through my blog.–
– Address: D-22113 Oststeinbek, Germany, Websites (4 Domains): www.topsurfen.de. /net. /org. /eu.

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2 Kommentare zu Mir sin nit Charlie.

  1. tuscade sagt:

    Vielen Dank, dass Du meinen Eintrag liest.
    Ich sehe das in etwa, wie du. Die Satire-Zeitschriften-Herausgeber sollten mehr Feingefühl zeigen. Sie könnten z.B. im Impressum einen Vermerk veröffentlichen: „Diese Blatt ist für sensible Zeitgenossen nicht unbedingt zum Anschauen und Lesen geeignet“. Das dient der Entspannung und schlichtet ev. einen Streit. „Meinungsäußerungen“ sind keine Gewalt. Die freie Meinung zu sagen, ist nach unserem Grundgesetz das Recht jedes Einzelnen. Das ist gut so. Niemand darf wegen seiner Neigung, seinem Geschmack, seiner Einschätzung bestraft oder mit dem Tode bedroht werden. Viele Menschen kommen wegen unserer gemäßigten Einstellung zu uns und wollen hier bleiben. Unsere Demokratie ist uns nicht in den Schoß gefallen. Wir haben dafür gelitten. Ich möchte nicht im Ausland leben. Ich sehe die Demokratie wie ein Haus. Es fallen ständig Reparaturen an.
    LG, tuscade.

  2. silkehori sagt:

    nun ja, über diese französischen Karikaturen mag jeder denken, wie er möchte. Ich persönlich fand diese Dinger zu unverschämt und respektlos dem anders gläubigen Mitmenschen gegenüber.
    Auch wenn ich kein ausgesprochener Christ bin, aber da möchte ich die Jesus-Figur auch nicht durch verletzende Krakeleien sehen müssen.
    ALLES HAT SEINE MORALISCHEN GRENZEN!
    Wir leben sowieso in einer ethisch immer mehr ausufernden Zeit.
    Menschliche Moral und Ethik gehen immer mehr verloren.
    ALLE DÜRFEN ALLES
    ist die scheinbare Devise.
    Das ist ein schlimmer Zeitgeist. Und das Morden hört niemals auf…

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