#Rezensionen. Die Unfähigkeit zu trauern. Eine Buchbeschreibung.

Eine Erläuterung und Besprechung zum Essayband von Alexander Mitscherlich und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.(pro S.B.),(1967)
Thema  darin ist die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands und deren notdürftige Verarbeitung in der Adenauerzeit. Die Schrift beschreibt die Abwehrhaltung des Einzelnen und der Masse gegenüber Schuld und Mitschuld an politischen Verbrechen.
Im Dritten Reich war das kollektive (für alle) Ich-Leitbild an einen Führer gebunden. Das Scheitern unseres „geliebten Führers“ (so hieß es damals) führte zum Erwachen aus einer nie dagewesenen Trunkenheit. Das Ich-Ideal schmolz dahin. An Stelle von Trauerarbeit nach Freuds Worten: „Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten“ trat die Abschwörung der Vergangenheit. Durch Ungeschehenmachen wurde eine umgehende Wende erreicht. Wir Deutschen versuchten den Hitlerfaschismus als eine Art vorübergehenden Schnupfen zu betrachten. Die Erinnerungsverweigerung wurde von den Mitscherlichs als widersinnige Gefühlsstarre verdeutlicht. Es wird unterstellt, dass sich dem gefühlten Antikommunismus nach dem Krieg nationalsozialistische Anschauungen gefestigt hätten.
Die Autoren bezeichneten Westdeutschland als eine unpolitische, konservative Nation. Dieses Deutschland (West) konnte sich erst mit der Zeit zu einer gesunden Demokratie entwickeln. Die Mitscherlichs stellten eine Verknüpfung zwischen dem Niederhalten der NS-Vergangenheit und dem psychischen Befinden der westdeutschen Gesellschaft her. Darüber hinaus führten sie die kollektive Unfähigkeit der Deutschen zur Bewältigung der Vergangenheit auf die Einbettung der Massen in die NS-Volksgemeinschaft zurück. Die Autoren schlossen vom Einzelnen auf die Gesamtheit der Bevölkerung, auf eine Art von Lebensphilosophie des Volkes. Die Deutschen waren nach 1933 dem Führer verfallen gewesen und haben sich nach 1945 abrupt von ihm getrennt.
Das vorliegende Buch ist keine historische Auseinandersetzung mit dem NS-Staat. Eine Leistung der Autoren besteht u.a. darin, den Einzelnen in seiner Achtsamkeit gegenüber zukünftigen Bedrohungen und Irrwegen zu stärken. Darüber hinaus dient die Schrift der Nachkriegs-Elterngeneration das Zeitgeschehen besser zu verstehen und die Fragen der Jüngeren genauer und sicherer zu beantworten. – Wie konnte es nur dazu kommen?-
Ein humanes (menschliches) Verhalten des Einzelnen muß wohl im Elternhaus erlernt werden oder es fehlt im Leben. Im negativen Fall werden die Ich-Leitbilder in einem Vorbild angebetet, die eigenen Mängel hingegen in einem Widersacher erbarmungslos bekämpft. Es kann sich weder ein Abstand von mir selbst noch eine Aufmerksamkeit für den Anderen entwickeln. Die deutsche Naziperiode wurde verdrängt und auch später erfolgte keine angemessene Trauerarbeit für die Mitmenschen, die durch unsere Taten in Massen zu Tode kamen. Der Mitmensch wurde nicht rechtzeitig als Lebewesen mit gleichen Rechten und Pflichten verstanden. Der Einzelne in der Bundesrepublik ließ sich nicht zeitgemäß zu einem selbstkritischen und der Einfühlung in den Anderen fähigen Wesen heranbilden. Wenn der Einzelne nicht frühzeitig bei den Eltern eine humane Einstellung erfährt, kommt er mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten nicht zurecht. Er wird nach den Schwächen des Anderen suchen. Radikalismus, Unduldsamkeit und Terror gewinnen die Oberhand.
Das seit 1967 ständig wachsende psychologische Wissen hilft vielleicht eines Tages über „die Unfähigkeit zu trauern“ hinwegzukommen, um mit der Erbschuld angemessen umgehen zu können.
Eine zusätzliche Einsicht läßt sich aus dem Buch ableiten: Es geht um den oft vernachlässigten Opferstatus der Deutschen. Diskussionen über unsere NS- Vergangenheit lassen inzwischen auch die Erinnerungen an Deutsche als Opfer zu.

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Ein Kommentar zu #Rezensionen. Die Unfähigkeit zu trauern. Eine Buchbeschreibung.

  1. Berg13mw sagt:

    Das macht Lust, sich das Buch mal selber durchzublättern!

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