#Kunden sparen für die #Altersvorsorge und bekommen Probleme

Geldanlagen und Abzocke

Eine Parkbank gewährt auch keine Zinsen

Das Rentnerehepaar trug alles Geld, das es verdiente zum Institut ihres Vertrauens. Zeitweise lief sogar das Alarmsystem der Bank über das Haus der Familie. Nie hätten die Rentner gedacht, dass sie genau in dieser Filiale ein Vermögen verlieren würden. Erhebliche Teile der Ersparnisse des Ehepaares sind weg, verzockt in einer Reihe dubioser Aktiengeschäfte, für die niemand mehr verantwortlich sein will – und womöglich auch niemand zur Verantwortung gezogen werden kann.

In ihrem Haus kann das Ehepaar nur wohnen, weil es dem Schwiegersohn gehört – und der, seit er um die Misere weiß, keine Miete mehr verlangt. Dem Rentner, der sein halbes Leben lang sein eigener Chef war im eigenen Laden, ist das sichtlich unangenehm. Dass ihre gesetzliche Rente bescheiden ausfallen würde, war dem 74-Jährigen und seiner Frau immer klar: 1.600 Euro hat das Paar zusammen im Monat, fast die Hälfte geht für die private Krankenkasse und Medikamente drauf. Deshalb legten sie früh Geld beiseite und verkauften 2010 schließlich das Haus, in dem sich früher ihre Metzgerei und ihre Wohnung befanden. Bei der Frage, was mit dem Geld anzufangen sei, wandten sie sich  – wie immer  – im Juli 2010 an ihre Filiale der Sparkasse Pforzheim.

Ihre Vorhaben seien klar gewesen: Sie wollten eine Anlage, die möglichst genug abwerfen sollte, um ihre Krankenkassenkosten zu bezahlen. Der Sparkassenberater empfahl, ein bereits vorhandenes Aktiendepot gründlich aufzustocken, dieses lief auf den Namen der Rentnerin. Die Rentnerin sagt, sie habe ihr Protokoll ungelesen unterschrieben. Schließlich waren die Eheleute Stammkunden. – Diese Gutgläubigkeit war ein Fehler. In dem Dokument werden der Rentnerin umfassende Kenntnisse über inländische Euroanleihen, Aktien deutscher und ausländischer Emittenten sowie Geldmarkt- und Immobilienfonds bescheinigt. Dabei habe sie in ihrem Leben nicht eine einzige Aktie gezeichnet, sagt die Seniorin – die Bankangelegenheiten habe immer ihr Mann erledigt. Der Senior schaute regelmäßig n-tv und verließ sich sonst, vor allem bei größeren Summen, auf ihren Bankberater, wie er beteuert.

Die Abrechnungsbelege des Ehepaares zeigen, dass in der Zeit ihres Urlaubs ohne dokumentierten Grund zwei große Pakete mit Porsche- und Daimler-Aktien verkauft worden waren, mit einem Verlust von rund 10.000 Euro. Am 11. August, also nach der Rückkehr des Ehepaares aus dem Urlaub geht es im Depot der Rentnerin hoch her: Um 9.44 Uhr werden 476 Aktien von HeidelbergCement gekauft, der Kurs liegt bei 31, 965 Euro. Um 13.48 wird eben dieses Aktienpaket wieder abgestoßen, weil bei 30 Euro Aktienkurs ein Verlustlimit gesetzt wurde. Am Abend werden dann erneut Aktien von HeidelbergCement erworben – diesmal zum Preis von über 32 Euro pro Stück. Der Verlust allein durch dieses Hin und Her beträgt 1.070 Euro. Ähnlich läuft es bei etlichen anderen Papieren. Insgesamt werden in dem Depot an diesem einen Tag Aktien im Wert von fast 436.000 Euro gehandelt und dabei über 30.000 Euro vernichtet. Im Jahr 2011 summierte sich der Verlust in ihrem Depot durch den wilden Aktienhandel auf rund 100.000 Euro – etwa 40 Prozent des Gesamtwertes. Die Sparkasse berechnete für die zahlreichen Transaktionen in dieser Zeit aber rund 11.000 Euro an Provisionen.

Die Sparkasse dementiert die Darstellung des Rentnerehepaares. „Der seitens der Kunden geschilderte Sachverhalt ist unzutreffend“, heißt es auf Anfrage. „Die fraglichen Transaktionen“ seien „ausschließlich im Auftrag der Kunden“ erfolgt: „Eine Beratung hierzu erfolgte nicht und war kundenseitig auch gar nicht gewünscht.“ In einem Gerichtsprozess wäre es nun Sache des  Rentnerehepaares das Gegenteil zu beweisen.  Es kann aber lediglich zig Verkaufs- und Kaufbelege vorweisen sowie seine Erinnerung – und das Beratungsprotokoll von der Erstberatung, das die Sparkasse eher ent- als belastet, wie so oft in solchen Fällen.

Juristen erklärten dem Paar bereits, eine Klage sei zu riskant, vor allem weil die Sache womöglich verjährt sei. Denn aus Scham verschwiegen die Senioren ihre Geldprobleme jahrelang. Sie blieben dem Schwiegersohn das Geld für das vereinbarte Wohnrecht schuldig, erfanden dafür Ausreden und zahlten stattdessen Miete für ihr neues Heim. Ihre Ersparnisse schrumpften weiter. Erst als absehbar war, dass ihr Geld nicht mehr allzu lange reichen würde, stoppte der Senior sämtliche Handelsgeschäfte auf dem Depot seiner Frau und vertraute sich seiner Tochter an.

Anne Seith, Beraten und verkauft(Auszug), Geldanlage, Eine Sparkasse hat die Altersvorsorge eines Paares verzockt, das über Jahrzehnte hinweg ihr Kunde war – sieht sich aber nicht in der Verantwortung, #DERSPIEGEL,  47/2017

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#Keilschrifttexte führen zu neuen Erkenntnissen über #Voodoo

Voodoo-Pilger

Fest der Voodoo-Pilger auf Haiti

Als Feldherr war König Asarhaddon gefürchtet, der große Assyrerkönig schien allerdings ziemlich wehleidig gewesen zu sein. – An der Freien Universität Berlin wird an einem wissenschaftlichen Großprojekt gearbeitet, das die Heilkunde im antiken Orient beleuchten soll. Hier werden dazu mehr als tausend in Ton geritzte Keilschriften ausgewertet. Lange Listen von Heilkräutern und Rezepten zählen ebenso dazu wie Beschwörungsformeln gegen Schlangenbisse, epileptische Anfälle, Abszesse oder Ohrvereiterung. Welche Art von Medizin betrieben diese Hofärzte? Bisher hatte die Heilkunst der Babylonier unter Altertumskundlern einen schlechten Ruf. Der Lehrmeinung zufolge stand bei ihnen alles im Bann der Götter, ihre Sprüche und Rituale wurden als bloßer Hokuspokus abgetan. Vernunft und wissenschaftliches Denken gelten gemeinhin erst als eine Errungenschaft der Griechen. Die Götter haben in den Vorstellungen der Babylonier eine beherrschende Rolle gespielt. Doch dies hinderte sie nicht daran, systematisch zu denken.

Ihre bedeutendsten Entdeckungen danken die Berliner Forscher einem Katalog therapeutisch-medizinischer Werke aus der Stadt Assur. Sie rekonstruierten ihn aus Fragmenten einer Tontafel in der babylonischen Sammlung der Universität Yale: „Wenn ein Mann von einem Löwen angefallen wird…“, „wenn er von einem Dolch verwundet wird…“, „wenn er von einem Streitwagen fällt…“ – alle Widrigkeiten, die das Leben im alten Babylon mit sich bringen konnte, sind hier aufgelistet. Systematisch von Kopf bis Fuß werden mögliche Therapien abgehandelt.  Psychische Leiden, Hautkrankheiten und Gynäkologie sind gesondert aufgeführt. Unklar allerdings ist, wie erfolgreich die Ärzte Babylons mit all ihrem Wissen heilen konnten. Zumindest einige ihrer Maßnahmen muten durchaus rational an. Dass fiebrige Erkrankungen die Gefahr von Ansteckung bergen, scheint ihnen zum Beispiel klar gewesen zu sein. So gab ein Arzt „strikte Anweisung“, dass niemand von der Tasse einer erkrankten Patientin trinken dürfe.  „Niemand darf sitzen, wo sie gesessen hat, und niemand liegen, wo sie gelegen hat“.

Überirdische Mächte und rational begründete Pharmazie standen in der Welt der Babylonier offenbar nicht im Widerspruch zueinander. Einträchtig arbeiteten Exorzisten und Ärzte miteinander, beide fühlten sich dem Wohl der Kranken verpflichtet. Die Exorzisten hatten den Status von Priestern. In Kostüme gewandet, entfalteten sie im Rauch und mit Trommeln Heilzauber am Krankenbett. Vor  allem aber beschworen sie mit wortgewaltigen Formeln den Beistand der Götter. Freizügig vermischten sie dabei Alltags-Akkadisch mit unverständlichem Abrakadabra. Zwar rührten diese Heiler neben all dem magischen Zinnober auch pharmazeutische Tinkturen und Heiltränke zusammen. Überwiegend jedoch war die Pharmaproduktion das Terrain der Ärzte. Diese gingen unabhängig vom Tempel, einem weltlichen Beruf nach. Oft ließen sie sich fürstlich für ihre Therapien bezahlen und waren hoch geachtete Bürger.

Was bei alledem fehlt, sind die Patienten. Sie kommen in den Abertausenden Tontafeldokumenten nur selten zu Wort. Doch immerhin: Eine vor dem Bürgerkrieg in Syrien entdeckte Stelle füllt diese Lücke. Auf ihr klagt Adad-bel-ardi, ein örtlicher Fürst, sein Leid: Schon als Kind sei sein Körper mit wunden Stellen übersät gewesen. Er sah nur verschwommen, seine Hände schmerzten. „Selbst der Schlaf gewährte meinen Füßen keine Ruhe“, jammerte er weiter. „Ich hörte auf zu essen, ich glich einem Toten“. Der „stechende Schmerz“ und die „Attacken der Schläfen“, die ihn plagten, könnten als Migräneanfälle gedeutet werden. Kurzum: Adad-bel-ardi war ein schwerer Fall. Heiler und Ärzte waren gleichermaßen überfordert. Der leidende Fürst wies ihre Dienste zurück und wandte sich flehend direkt an die Götter.

Johann Grolle, Voodoo am Krankenbett(Auszug), Archäologie, Wie fortschrittlich war die Heilkunst der Babylonier? Berliner Forscher(Markham Geller et al.) werten mehr als tausend Keilschrifttexte aus, um die Geheimnisse der assyrischen Medizin zu entschlüsseln, #DERSPIEGEL, 47/2017

 

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#Strafe und #Belohnung in der #Erziehung

Strafe und Schmerz

Strafe und Schmerz

Was bringen Strafen in der Erziehung? Sie wirken auf verschiedene Art und Weise. Vor allem schädigen sie den Selbstwert der Kinder, das Vertrauen zueinander, und sie belasten die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Wir wollen mit den Kindern Konflikte schnell lösen und nutzen dafür oft unbewusst unsere Macht aus. Wir versuchen es auch über Erklärungen und hoffen auf Einsicht unserer Kinder. Nur klappt das häufig nicht. Am Ende läuft es auf ein Verbot hinaus. Frustrationen können wir nicht verhindern. Eltern versuchen häufig, ihre Kinder auf der Vernunftebene zu überzeugen. Dabei wissen wir aus der Hirnforschung, dass die dafür wichtigen Strukturen erst später vollends heranreifen. Die Kinder fühlen sich gar nicht angesprochen, sie sind noch vorwiegend von Emotionen bestimmt. Über die Gefühle können wir Kinder aber gut erreichen: „Mensch du ärgerst dich aber gerade gewaltig.“ Damit ermöglichen wir ihnen die wichtige Erkenntnis: Das, was ich gerade fühle ist also Ärger. Das macht die Sache noch nicht besser, unterstützt die Kinder jedoch dabei, langfristig ihre emotionale Landkarte kennenzulernen. Irgendwann schaffen sie es, sich selbstständig zu regulieren. Strafen unterbrechen diesen Lernprozess, die Kinder erfahren nichts über ihre Gefühle. Im Gegenteil – sie lernen eher, sie zu unterdrücken.

Wir brauchen Kinder gar nicht weder durch Strafen noch durch Belohnungen zu motivieren. Wir wissen heute, wie wichtig die sogenannte Selbstwirksamkeit ist; der Wunsch etwas aus eigener Kraft zu schaffen, ist in uns angelegt. Wenn Kinder eine innere Bestärkung erfahren, weil sie etwas allein gemeistert haben, dann verankert sich das tief in ihrem Selbst. Strafen und Belohnungen stören diesen inneren Antrieb. Eine Belohnung ist immer auch ein kleiner Misstrauensantrag: Man traut dem Kind nicht zu, etwas aus eigenem Antrieb zu vollbringen. Man schafft nur dann sein Kind richtig einzuschätzen, wenn man dessen Grundbedürfnisse kennt: Geborgenheit und Nähe, das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu sein, so wie man ist. Dann ist es wichtig, präsent in den Beziehungen zu seinen Kindern zu sein. Viele Eltern sind oft gar nicht richtig da. Sie sind mit dem Kopf noch bei der Arbeit, wollen schnell eine Mail beantworten, schreiben gerade eine SMS mit jemanden. – Doch zum Beispiel beim Ins-Bett-Gehen sind Kinder auf jemanden angewiesen, der ihnen hilft herunterzukommen, sich zu entspannen. Jemand, der nicht richtig anwesend ist, beruhigt nicht – er verunsichert eher zusätzlich.

Alles, worum es hierbei geht, ist zu versuchen, die Kinder in ihrem Verhalten besser zu verstehen, ihre Signale zu lesen und zu übersetzen. Allein besseres Verstehen hilft schon, Nerven zu schonen: Ein Beispiel hat Katharina Saalfrank in ihrem Buch* beschrieben: Ein fünfjähriger Junge streitet sich mit einem anderen Kind auf der Rutsche und haut zu. Der Vater schnappt ihn sich, schimpft, setzt ihn auf eine Bank, er solle sich gefälligst überlegen, was er getan habe. – Mit solcher Gardinenpredigt ist niemandem geholfen. Wichtig ist zu wissen: Kinder können sich in dem Alter noch nicht so gut mit Worten abgrenzen. Also tun sie es physisch, indem sie hauen. Mit einer Strafe oder einem Verbot ist so ein Konflikt nicht konstruktiv zu lösen. Das Kind weiß meistens schon, dass Treten und Hauen nicht in Ordnung sind. Aber es tut es trotzdem. Weil es noch keine anderen Strategien hat und nicht anders kann. Indem wir jetzt nur schnell versuchen, sein Verhalten zu ändern, sehen wir nicht, was tatsächlich dazu geführt hat, dass das Kind sich – in diesem Fall durch Hauen – abgegrenzt hat. Der Junge auf dem Spielplatz hat lediglich verstanden: „Ich hab etwas gemacht, was nicht in Ordnung ist.“ Es wäre sinnvoll, wenn der Vater seinem Sohn hier Handlungsalternativen vorleben könnte und nicht einfach das Verhalten bestrafte.

Erziehung?

Erziehung?

Man kann etwas Gutes bewirken, indem man die Kinder in ein Gespräch bringt, Gefühle spiegelt: „Was ist passiert, worüber ärgert ihr euch so?“ Allein die Möglichkeit zu haben, das mit einem Gefühl verknüpfen zu können hilft den Kindern, mehr über die eigenen Bedürfnisse zu erfahren. Es geht dann nicht darum, welches Kind recht hat, sondern wie die beiden das unter sich klären können. – Unbewusst greifen viele Eltern auf Muster zurück, die sie aus ihrer Kindheit kennen, und nicht selten sind das eben Abwertung, Strafe, Missachtung. Unser Gehirn bedient sich in Stresssituationen dessen, was sich tief in die emotionalen Netzwerke (Unterbewusstsein) eingebrannt hat. So kann es dazu kommen, dass wir unsere Kinder mit den Vorwürfen überhäufen, die wir aus unserer Kindheit kennen, und plötzlich so klingen wie unsere eigenen Eltern.

Die betroffenen Eltern müssten bewusst eine Verbindung zu sich selbst herstellen und schnell ablaufende Muster verlangsamen. Es gibt immer einen Punkt, an dem man das  Abgleiten in das übliche Verhalten stoppen kann. In Stresssituationen kann man auf seinen Körper achten, sich bewusst entschleunigen, bevor man in Schreien und Wut gerät. Das braucht ein wenig Übung und Geduld. Man kann in Akut-Situationen auch eine Notfallstrategie entwickeln: ein paar ruhige Atemzüge, im Ernstfall auch mal den Raum verlassen. Das ist besser, als das Kind wegzuschicken, es zu bestrafen oder anzuschreien.

Wenn es einem von uns in der Familie nicht gut geht, sollten alle bereit sein miteinander zu sprechen, wir sollten uns gegenseitig zuhören, fragen, wie es uns gerade geht, was jeder fühlt. Danach sollte man fragen, was wir tun können. – Miteinander reden, sich austauschen – das findet vor allem im Alltag statt. Bei den Hausaufgaben, beim Abspülen, beim Zähneputzen. Und es sollten auch nicht nur Konflikte besprochen werden. Sondern die Frage gestellt werden: „Wie geht es dir?“

Kerstin Kullmann, „Es geht um Wut, Trauer, Schmerz“( Auszug ), #SPIEGELGespräch, Die Pädagogin Katharina Saalfrank plädiert für eine Erziehung ohne Strafen – und erklärt, wie es Eltern gelingt, ihren Kindern die Dämonen der eigenen Jugend zu ersparen, #DERSPIEGEL, 41 / 2017

*Katharina Saalfrank: „Kindheit ohne Strafen“, Beltz, 264Seiten, 17,95 €

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Nicht nur #Atome auch Kerne: Vielleicht auch #Atomkerne im #Nanokosmos sichtbar

Blick aus dem All

Blick aus dem All auf Hamburg Schenefeld

Direktor Thomas Kaupe unternimmt im mit neuer Technik ausgestatteten Sternentheater eine Reise ins Innere der uns bekannten Welt: den Nanokosmos, die Welt der Atome und Moleküle. Bisher für unmöglich gehaltene Filme von den Prozessen auf dieser Ebene soll der Anfang September eröffnete Röntgenlaser European XFEL möglich machen. Die 3,4 Kilometer lange Maschine, die Supermikroskop und Superkamera in einem ist, verläuft unterirdisch zwischen dem Forschungszentrum Desy in Hamburg Bahrenfeld und einer Halle im schleswig-holsteinischen Schenefeld.

Vergrößertes Bild

Durch eine Lupe vergrößertes Bild

Originalbild

Originalbild

Vergrößerung durch Lupe

Sammellinse erzeugt vergrößertes Bild

Wo auf der Innenkuppel sonst Galaxien mit ihren Sternen und Planeten auftauchen, zeigen Animationen nun Zellstrukturen, Viruspartikel und einzelne Moleküle mit ihren Atomen-Teilchen, die zehn Millionen Mal kleiner sind als ein Millimeter. Mit sichtbarem Licht lassen sich Prozesse auf dieser Ebene nicht scharf abbilden.

 

Mikroskop

Mehrere gewölbte Linsen: Mikroskop

Menschliches Haar

Durch Mikroskop vergrößertes Haar

 

Der European XFEL soll das mit seinem Röntgenlicht schaffen. Die von der Maschine erzeugten Lichtblitze sind für den Bruchteil einer billionstel Sekunde heller als das gesamte Sonnenlicht, das im gleichen Zeitraum die Erde erreicht. Und sie sind so kurz, dass sie Atome schneller ablichten, als die Teilchen sich bewegen. Viele einzelne Aufnahmen wollen Forscher dann zu Filmen zusammenfügen.

 

Wenn alles läuft wie erwartet, wird der Supraleiter das leistungsfähigste Instrument seiner Art sein. Mit dem bisher stärksten Röntgenlaser der Welt, dem LCLS in Stanford (Kalifornien), erzeugen Forscher 120 Lichtblitze pro Sekunde – bis zu 27.000 Pulse pro Sekunde soll der European XFEL schaffen. Damit sollen sich Messungen in wenigen Tagen bewältigen lassen, die in Stanford heute Wochen dauern.

Kopf der Stubenfliege

Kopf einer Fliege im Elektronnmikroskop

Die Bilder aus dem Inneren der Materie sind eine computergestützte Rekonstruktion der Wirklichkeit. Um etwa die Struktur von Biomolekülen zu entschlüsseln, spritzen  Forscher Teilchen in einer Flüssigkeit in die Probenkammer. Jedes Mal, wenn ein Lichtblitz einen Proteinkristall trifft, entsteht ein Streubild, das ein Detektor aufnimmt. Aus Millionen von Streubildern lässt sich ein dreidimensionales Abbild der Probe errechnen – im Idealfall bis zum einzelnen Atom.

Elektronenmikroskop

Atome im Elektronenmikroskop

Atommodell

Atommodell: Kern und Elektronen

Infektionsforscher wollen mit dem Röntgenlaser erkunden, wie genau krankheitserregende Viren unsere Zellen manipulieren und wie Medikamente dagegen wirken können. Biochemiker möchten etwa den Beginn der Proteinentfaltung ins Visier nehmen. Läuft dies schief, lagern sich falsch gefaltete Proteine zu Klumpen zusammen, was wahrscheinlich zur Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson beiträgt. Außerdem auf der Experimentier-Agenda: Wie lassen sich miniaturisierte Datenspeicher, stärkere Akkus und effizientere Katalysatoren konstruieren.

Selbst Astrophysiker werden die Blitzmaschine nutzen. Dazu werden Laserstrahlen extreme Materialzustände erzeugen, wie sie wohl im Inneren von Gasplaneten und Sternen herrschen. Um zu verstehen, was in gewaltigen Objekten im Universum vorgeht, muss eben die gesamte Skala berücksichtigt werden.

Wer Winzlinge wie Atome sehen und ihre Anordnung erkennen will, braucht extrem energiereiches Licht. Denn je höher die Energie der Lichtteilchen (Photonen) ist, desto kürzer ist die Wellenlänge des Lichts. Ist die Wellenlänge so kurz wie der Abstand zwischen Atomen oder kürzer, lassen sich die Teilchen unterscheiden. Der Durchmesser eines Atoms beträgt etwa ein Zehntel Nanometer – die Wellenlängen der Röntgenblitze des European XFEL sollen bis zu 0,05 Nanometer klein sein.

Marc Hasse, Reise in den Kosmos der Atome (Auszug), Themenabend im Planetarium zeigt, wie Hamburgs neuer Röntgenlaser European XFEL funktioniert, #HamburgerAbendblatt, Donnerstag, 14. September 2017

Feidenhans'l

Robert Feidenhans’l Chef der XFEL

Der Physiker Robert Feidenhans’l referierte auf einer Barkasse vor Bloggern aus aller Welt und beantwortete geduldig alle Fragen zu dem 3,4 Kilometer langen Instrument in Schenefeld: dem Röntgenlaser, XFEL. Mit ihm wollen Forscher die Bewegung von Atomen „filmen“.

 

 

 

 

 

 

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Experimenteller #Nachweis von #Gravitationswellen gelungen

Gravitationswellen

Visualisierung von Gravitationswellen durch Danzmann und Team

Im Februar 2016 konnten zum ersten Mal Gravitationswellen experimentell nachgewiesen werden. Jene winzigen, sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitenden Krümmungen der Raumzeit, die Albert Einstein 1916 als Konsequenz aus seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhersagte. Professor Karsten Danzmann freut sich über eine renommierte Auszeichnung: am Donnerstag, den 7.  September 2017 hat der 62-Jährige im Hamburger Rathaus vor 600 geladenen Gästen den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhalten. „Dank ihrer, Herr Professor Danzmann, kann nun ein neues Fenster zum Kosmos aufgestoßen werden“ , sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei dem Festakt. Er würdigte die Ausdauer des Physikers, der sich in Hamburg als Mitglied der Akademie der Wissenschaften in der Arbeitsgruppe „Neue Herausforderungen der Kosmologie“ engagiert. „Wir in Hamburg sind gespannt, auf das, was im Zuge ihrer Forschung noch zutage treten wird“, sagte Olaf Scholz.

Spektrum: Sichtbares Licht

Bis zum Nachweis von Gravitationswellen konnten Forscher Signale aus dem Universum nur im Spektrum elektromagnetischer Strahlung empfangen, also in Form von sichtbarem Licht: Infrarotlicht, Mikrowellen, und Radiowellen, sowie durch Wasserstoffkerne und Neutrinos, den beinahe massenlosen Teilchen. Allerdings bestehen etwa nur vier Prozent des Universums aus Materie, wie wir sie kennen, und von dieser Materie strahlt nur ein kleiner Teil. Aber alles in unserem Universum unterliegt der Schwerkraft, und alles, was der Schwerkraft, der Gravitation unterliegt und sich bewegt, muss Gravitationswellen aussenden. Das heißt, wir können auf diese Weise die dunkle Seite des Universums hören.

Urknall

Urknall: Beginn von Raum und Zeit

Das 2015 verzeichnete kosmische Signal stammt den LIGO-Forschern (Observatorium LIGO in den USA) zufolge von zwei außergewöhnlich schweren Schwarzen Löchern, die miteinander verschmolzen sind – in einer Galaxie, die 1,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Es war das gewaltigste Ereignis, das je beobachtet wurde. Zwei weitere Ereignisse dieser Art haben die Forscher inzwischen nachgewiesen. Von den Gravitationswellen erhoffen sich die Forscher auch Erkenntnisse über die Entstehung von Galaxien sowie über die geheimnisvolle Dunkle Materie, die Galaxien wie Kitt zusammenhält und sich nur durch ihre gravitative Wirkung zu erkennen gibt. Auch über die Dunkle Materie soll aufgeklärt werden, diese sorgt dafür, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.

Mit Gravitationswellen-Detektoren läßt sich vielleicht mehr über die Zeit direkt nach dem Urknall erfahren. Denn erst 380.000 Jahre nach dem Urknall war das Universum durchlässig für elektromagnetische Strahlung – von Anfang an hingegen konnten wohl Gravitationswellen den Kosmos durchqueren.

Urnebel

Urnebel

 

Einsteins Theorie sieht vor, dass jeder beschleunigte Körper Gravitationswellen aussendet, die umso stärker sind, je mehr Masse der Körper hat, und je schneller er sich bewegt. Diese Signale sind allerdings äußerst schwer zu messen. Die von Danzmann und seinem Team mitentwickelten Anlagen des LIGO-Observatoriums in den USA bestehen jeweils aus zwei vier Kilometer langen, geraden Röhren, die im rechten Winkel zueinander angeordnet sind. Im Inneren vermessen Laser  kontinuierlich die Längen der Röhren. Treffen Gravitationswellen die Anlage, quetschen und dehnen sich die „Arme“ – um unfassbar winzige Längen: Die Änderungen sind tausend Mal kleiner als der Durchmesser eines Atomkerns. Detektoren zeichnen das auf. Weiterhin wird an einem Projekt gearbeitet, das zum Ziel hat, gegen 2030 das Gravitationswellen-Observatorium LISA ins All zu schicken. Es soll Signale empfangen, die Systeme auf der Erde nicht erfassen können.

 

Kohlenstoffatom

Kohlenstoffatom: Hauptmasse im Kern

 

Wasserstoffatom: Kern und Elektron

Wasserstoffatom: Kern und Elektron

 

 

Professor Danzmann

Professor Danzmann

„Hamburger Nobelpreis“ für Schwerkraft-Forscher, (Auszug), Physiker Karsten Danzmann erhält den Körber-Preis für eine Arbeit zum Nachweis von Einsteins Gravitationswellen, #Hamburger Abendblatt, WISSEN, Freitag, 8. September 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstmals Gravitationswellen in Europa nachgewiesen

Das Universum wird ermesslich gemacht:

Kollision zweier Schwarzer Löcher

Simulation: Kollision zweier Schwarzer Löcher

Potsdam: Erstmals hat ein europäischer Detektor Gravitationswellen aufgefangen. Das Observatorium Virgo in Italien registrierte das Erzittern der Raumzeit am 14. August 2017 zeitgleich mit den beiden Antennen des US-amerikanischen Ligo-Observatoriums, wie das beteiligte Albert-Einstein-Institut der Max-Planck-Gesellschaft mitteilte. Diese Dreifachmessung erlaube eine präzisere Eingrenzung der Herkunftsrichtung des aus einer fernen Galaxie stammenden Signals als bisher möglich. Physik, #HamburgerAbendblatt, Freitag, 29. September 2017

Gravitationswellen

Gravitationswellen vom Schwarzen Loch

Die von Albert Einstein vorausgesagten Gravitationswellen gibt es wirklich. Für deren Nachweis erhalten drei US-Forscher den Nobelpreis für Physik

 

 

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Erst #Insektensterben dann #Vogelsterben

Noch ist's möglich: Ökoacker auf Gut Temmen

Noch ist’s möglich: Ökoacker auf Gut Temmen

In Deutschland ist das Vogelkonzert fast verstummt, bleibt der Sommer weiterhin ohne Grillenzirpen und Schmetterlings-Torkelflug. Während der Naturschutz einzelne Erfolge bei charismatischen Arten wie Wolf, Wildkatze oder Schwarzstorch feiert, gleicht die Agrarlandschaft, die etwa 50 Prozent von Deutschlands Landfläche ausmacht, einer Ökowüste. Längst hat sich der Deutsche an blütenleere Feldraine gewöhnt, an Landschaften ohne Moore, Auen, Hecken und unberührte Wälder. Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen. Eine Kehrtwende in der Landwirtschaft ist notwendig, um der Krise zu begegnen. Denn über die Ursachen des Naturverlusts gibt es keinen Zweifel. Eine über Jahrzehnte fehlgeleitete EU-Agrarpolitik hat Deutschlands Bauern von ehrbaren Pflegern der Vielfalt zu Landwirtschaftsräubern gemacht.

Damit vergibt die Bundesregierung eine Chance: Deutschland könnte ein Vorbild für die Versöhnung von Landwirtschaft und Ökologie sein. Wie bei der Energiewende könnte das Land mutig voranschreiten in eine Agrarwende, die beiden gerecht wird, der Produktion von Lebensmitteln und dem Erhalt der Artenvielfalt. Mit den Insekten geht es steil bergab. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das mittelfristig ändert. Und wer wollte daran zweifeln? Nur die Älteren erinnern sich noch an Autoscheiben, verklebt von Insekten, an Gärten voller Bienen, an Straßenlaternen, die nachts von zahllosen Motten umkreist werden. Die Folgen sind dramatisch. Insekten machen 70 Prozent aller Tierarten in Deutschland aus. Sie sind Nahrungsgrundlage vieler Vögel, Fledermäuse und Amphibien. Sie tragen dazu bei, die Böden fruchtbar  zu halten. Sie helfen als Nützlinge in der Landwirtschaft.

Sterben ausgewählter Vogelarten

Das Sterben ausgewählter Vogelarten

Ohnehin sind Vögel die auffälligsten Opfer der Landschafts- und Artenkrise. In der EU ist die Zahl der Brutpaare in der Agrarlandschaft zwischen 1980 und 2010 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Besonders hart trifft es Bodenbrüter wie Feldlerchen, Braunkehlchen, Kiebitze oder Rebhühner, die keine Brut- und Rastplätze mehr in der Landschaft finden oder deren Gelege bei Ernte oder Mahd zerstört werden.

 

Das Gut Temmen, ein Großbetrieb, ist ein Biosphärenreservat in der Möränen-Landschaft. In den Ländereien werden 3460 Hektar bewirtschaftet, davon stehen 2780 Hektar unter dem Pflug. 1500 Rinder weiden auf den Wiesen. 300 Schweine wachsen heran. Es gibt einen Hofladen mit Wurst und Fleisch, Pferdeställe und Gästezimmer. Subunternehmer veranstalten Planwagenfahrten und vermehren Wildsamen. Künstliche Mineraldünger und synthetische Pestizide sind in der Biowirtschaft verboten. Dadurch ändert sich alles: Auf Gut Temmen stammt der Dünger aus dem eigenen Mist aus einer „Mistkooperation“  mit einem nahen Hühnerbetrieb. Zudem werden Rotklee und Luzerne als „Vorfrüchte“ angebaut, beides sogenannte Leguminosen, die über Knöllchen-Bakterien in ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden und so den Boden düngen. „Eine gewisse Toleranz gegenüber Unkräutern“ ist angebracht. Tatsächlich ragen die Köpfe vieler Disteln aus der Wintergerste. Die Ausfallkosten sind überschaubar.

Vom Aussterben bedroht

Der Kiebitz nistet in einer flachen grasgepolsterten Grube

Was auf diese Weise entsteht, ist ein Kulturland, das komplexer, vielfältiger ist als das auf konventionellen Höfen. Ein Mosaik von Lebensräumen hat sich auf Gut Temmen erhalten und herausgebildet, das zahllosen Arten Unterschlupf bietet. Schon ökologischer Landbau an sich garantiert eine hohe Artenvielfalt. Auf Gut Temmen wird versucht, Pflanzen und Tieren noch mehr Raum zu geben. 20 Meter breite Blühstreifen rund um einige der Tümpel des Betriebs erlauben Moorfrosch, Rotbauchunke, Kammmolch und Knoblauchkröte das Wandern. Die Amphibien locken wiederum Weißstorch und Schreiadler an.

Einige Politiker fordern ein sofortiges Verbot von chemischen Pflanzenschutzmitteln wie Neonicotinoiden und Glyphosat sowie eine Pestizidabgabe, damit die Folgekosten nicht mehr auf die Gesellschaft abgewälzt werden. Auch bei der Überdüngung müssten die Verursacher, zum Beispiel über eine Stickstoffabgabe, „zur Rechenschaft“ gezogen werden. Insgesamt, so steht es im „European Nitrogen Assessment“ verursacht die Überdüngung in der EU Schäden für Gesundheit, Ökologie und Klima von 70 bis 320 Milliarden Euro jährlich. Auch bei der Energiewende wird ein Umsteuern empfohlen. Bioenergie dürfte nur noch aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen werden, nicht mehr aus eigens dafür angebauten Mais oder Raps.

„In welchem Deutschland wirst Du einmal leben?“, fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal mit sanfter Mutti-Stimme in einem aktuellen CDU-Wahlspot zu einem Bild eines Ungeborenen. (Hohle Worte). Die Regierung unternimmt zu wenig, um die natürlichen Ressourcen für die Zukunft zu sichern. Ein starker Staat müsste viel entschiedener eingreifen, wenn die Bauern die biologische Vielfalt ruinieren.

Philip Bethge, Sommer der Stille (Auszug), unberührte Landschaften voller zirpender Grillen und singender Vögel – das war einmal. Deutschland leidet unter einem dramatischen Artenschwund, Nur eine radikale Wende zur Biolandschaft könnte die Vielfalt noch retten, #DERSPIEGEL, 26/2017, Seite 98 bis 102

Leserbrief, DER SPIEGEL, Nr 36/2017 Deutschland leidet unter einem dramatischen Artenschwund – schuld daran sind die Bauern.                                                                        Ein Rückgang der Insekten-Biomasse von bis zu 80 Prozent in den letzten 20 bis 25 Jahren! Der schleichende Verlauf lässt dabei fast vergessen, dass der Artenschwund schon vor 1990 beträchtlich war. So wurden in der näheren Umgebung meines Wohnorts vor knapp hundert Jahren noch Vogelarten dokumentiert, deren Vorkommen hier nicht einmal mehr vorstellbar ist: Auerhuhn, Birkhuhn, Steinkauz, Wiedehopf und etliche andere. – Norbert S. Bamberg

 

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#Rezensionen: Unsere Gefühle, #Wut und #Zorn in #positive #Gefühle verwandeln

Wut und Zorn

Wut und Zorn

Als US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Paris zu Brigitte Macron, 64, sagte, sie habe sich „gut gehalten“, hätte sie ihm dafür durchaus eine Ohrfeige verpassen können. Brigitte Macron hat es nicht getan, sie hatte sich vorbildlich im Griff. Doch mit der Energie, die in diese Kunst des alltäglichen Zorn-Einhegens fließt, könnten Frauen wahrscheinlich Kleinstädte zum Leuchten bringen. Natürlich gibt es auch den großen Zorn. Was, wenn es um schwere Straftaten geht? Vergewaltigung? Mord? Wie umgehen mit der Ohnmacht und der Wut? Den Täter ebenso demütigen? Wäre es eine Wiedergutmachung für das getane Unrecht? Und was ist mit Krieg? Verfolgung? Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Wie können wir den ganz großen Ungerechtigkeiten begegnen? – Was können wir tun, um die Schwächsten der Gesellschaft zu stützen? Wie bleiben wir mitfühlend, wenn wir als Menschen doch auch berechnend sein müssen? Wie kann ein Land für seine Bewohner lebenswert sein, das zwar reich an Bodenstoffen ist, aber Minderheiten unterdrückt oder Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildung verwehrt?

Es gibt eine Liste von zehn sogenannten Befähigungen, die gewährleistet sein müssten: Sicher vor gewalttätigen Übergriffen zu sein gehört ebenso dazu wie die sexuelle Selbstbestimmung und die Möglichkeit, Bindungen mit Menschen einzugehen, die einem wichtig sind. Oder auch die Möglichkeit zu lachen, zu spielen und die Freizeit zu genießen. All diese Befähigungen gehören zu einem erfüllten Leben.

Wie kommen Mitgefühl, Liebe und Gemeinsinn in den öffentlichen Raum? Auch Wut und Zorn gehören dazu – und der daraus resultierende Wunsch nach Vergeltung. Nur dadurch, so denken wir, könne erlittenes Unrecht wieder geheilt werden. Aber genau diese Gedanken kann man infrage stellen. Das Leiden des Täters kann Geschehenes nicht ungeschehen machen. Daraus kann nicht Gutes erwachsen. Rache und Vergeltung ist „magisches Denken“. Zorn ist von der Rache zu trennen und vom ersteren ist das mobilisierende Moment zu nutzen. Den Zorn, den es braucht, um Veränderungen zu bewirken. Einen Protest – ohne den Wunsch nach Vergeltung. Das ist der „Zorn des Übergangs“. Das Gefühl, das Menschen ergreift, die gegen Ungerechtigkeit kämpfen. – Als Vorbilder gelten politische Führer wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela. Deren Geschick bestand darin, den Zorn ihrer Anhänger vom Wunsch nach der Rache zu trennen. Um dadurch beständige Änderungen zu bewirken – und nicht Bürgerkriege herbeizuführen.

Einige Menschen fallen immer wieder durch rechtskonservatives Geschimpfe auf, auch in den sozialen Netzen. Sie schreiben falsche Informationen hinein und regen sich über alles auf. – Ein Beitrag von Geisteswissenschaftlern dazu ist das „Argumentieren“: Die Stimme der Vernunft. Ein leises, respektvolles, nicht beleidigendes Überzeugen. Auf der Suche nach der Wahrheit.

Das ist es, was vor allem auch junge Menschen lernen sollten. Um sich auf ihre Rolle im Leben, ihre Rolle als Bürger vorzubereiten. – Lernen, wie man Abstand zwischen sich und den Zorn bekommt.

Kerstin Kullmann, im Interview mit #MarthaNussbaum (in Anlehnung an ihr am 13. März 2017 erschienenes Buch*) , (Auszug), „Rache ist magisches Denken“, Die Philosophin Martha Nussbaum untersucht die Rolle der Gefühle in der Gesellschaft, Wie lassen sich Wut und Zorn in positive Veränderungen verwandeln?, #DERSPIEGEL Wissenschaft,  34/2017

Philosophin Martha Nussbaum

Philosophin Martha Nussbaum

*Martha #Nussbaum: „Zorn und Vergebung. Plädoyer für eine Kultur der #Gelassenheit“. Aus dem Englischen von Axel Walter, WBG: Wissen, Bildung, Kultur, 2017, 408 Seiten, € 39,95

 

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#Rezensionen: #Altwerden, aber wie?

Mit dem Alter kommt die Weisheit

Mit dem Alter kommt die Weisheit

Alterspubertät ist eine Übergangszeit, sie hat aber nichts mit dem jugendlichen Überschwang der ersten Pubertät zu tun. Bei der Alterspubertät ist das Berufliche, täglich Durchgetaktete Vergangenheit. Das Alter ist noch Zukunft. Diese Zwischenpassage von 65 bis ungefähr 80 nennt sich Alterspubertät. In ihr ist viel mehr möglich, als wir glauben.

Die Verabschiedung in den sogenannten wohlverdienten Ruhestand wird von den meisten eben nicht als Türöffner ins Altersparadies empfunden. Das liegt daran, dass sich eine Grenze verschiebt. Bis dahin gehört man gesellschaftlich zu den Produktiven, danach nicht mehr. Aber die Grenze ist porös geworden, das wahre Alter beginnt keineswegs mit 65, sondern erst, wenn Veränderungen eintreten, die nicht mehr umkehrbar sind. Allerdings kann Alterspubertät zweischneidig sein. Einerseits genießt man neue Freiheiten, andererseits kämpft man gegen die Etikettierung „Alter“. Es dauert eben, bis man „ich bin alt und das ist okay so “ sagen kann, es ist ein kleiner Kampf.

Manche lieben betreutes Busfahren in die Lüneburger Heide, andere trekken auch in ihren Siebzigern noch mit dem Rucksack durch die Alpen. Ja, in der Pubertät sind die Menschen unterschiedlich. Aber eines ist bei allen gleich – sie wollen in keine Schublade gesteckt werden, sie haben Angst vor dem Verlust ihrer Selbstbestimmung. Egal wie alt, niemand will pädagogisiert werden. Statt zu frühzeitig ein sogenanntes Verkehrstraining vorzuschlagen, sollten Themen angeboten werden, mit denen sich Menschen bisher aus Zeitgründen nicht beschäftigt haben: Fremdsprachen, fremde Kulturen, Golf spielen, sich engagieren.

Früher, zur Zeit unserer Eltern, waren die Zeiten geordnet und vorhersehbar. Da hatte jedes Alter seine Verhaltensweisen, es wurde nur selten aus der Reihe getanzt. Das gab zwar Sicherheit, ließ aber kaum Individualität zu. Heute haben wir die Wahl. Wir können still sitzen oder ausprobieren. Wir wissen inzwischen, dass Bewegung, positive Erlebnisse und neue Erfahrungen lebensverlängernd wirken, aber wie aktiv wir als Alterpubertierende sein wollen, müssen wir selbst entscheiden. Genau wie in der Jugendpubertät erlebt sie jeder Mensch ganz unterschiedlich.

Was am Altwerden melancholisch macht, sind ja nicht unbedingt die körperlichen Verfallserscheinungen, sondern die vielen anderen Abschiede. Von Menschen, geliebten Ritualen und Gewohnheiten. Früher passierte ständig etwas, Partner, Kinder, Beruf. Plötzlich ist Stillstand. Dies muss aber nicht passieren, wenn wir rechtzeitig aufpassen. Freundschaften und Hobbys weiter pflegen, es muss ja kein Bungee-Jumping sein. Aber selbst wenn die Kreise kleiner werden, kann man weiterhin am Leben teilnehmen

Am Älterwerden und am Alter ist einiges schön: Man hat eine andere Taktung des Alltags, ist nicht mehr gehetzt, muss sich nicht mehr beweisen, all das kann man genießen. Eine andere Geschwindigkeit, eine andere Zufriedenheit. – Alterspubertät sollte möglichst lange dauern!

Evelyn Holst, Interview mit #BernhardMeyer (Auszug), Alter, was geht ab? Wie in der Teenie-Zeit befinden sich auch Menschen wieder im Übergang. Professor Bernhard Meyer spricht von #Alterspubertät. Weil diese Phase so viele Veränderungen mit sich bringt – und voller Chancen steckt. #Brigitte, Psychologie, Generationen, Nr. 16, Mi, 19.7.2017

Zum Weiterlesen: Bernhard Meyer „Ich? Alt? Alterspubertät und inklusives Altern“, Shaker Verlag, 116 S. € 14,95

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#KimJong-un lenkt im Konflikt ein. #Entspannung mit #Nordkorea?

Kim Jong-un

Kim Jong-un

 

 

 

 

 

 

#Nordkoreas Kim Jong-un lenkt im Konflikt ein und legt Angriffsplan auf US-Pazifikstützpunkt #Guam auf Eis.

#HamburgerAbendblatt, 16. August 2017

 

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Der Versuch das #Bewusstsein durch #Drogen zu erweitern. Wie #krank ist das denn?

Kokainlabor in Flammen

Ein Kokainlabor geht in Flammen auf

29 Teilnehmer eines Heilpraktikerseminars gerieten an einem Freitagnachmittag im September 2015 in größte Gefahr. Ärzte, Psychologen, Yogalehrer und Homöopathen torkelten orientierungslos umher, getrieben von quälenden Wahnvorstellungen. Oder wälzten sich auf dem Boden, rangen um Luft, wandten sich in Krämpfen, verletzten sich selbst. Zahlreiche Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeuge und ein Rettungshubschrauber verwandelten die sonst so stille Gemeinde Handeloh in ein riesiges Feldlazarett. Notärzte und Sanitäter spritzten Beruhigungsmittel, verabreichten Sauerstoff, starteten Herzmassage, legten Verbände an.

Um ihr Bewusstsein zu erweitern, hatten Seminarteilnehmer mit viel Flüssigkeit die illegale Substanz 2C-E geschluckt. Das Halluzinogen, in der Drogenszene auch als Aquarust bekannt, kann wie Speed oder Kokain Wahnbilder auslösen und verändert die Wahrnehmung von Farben und Geräuschen. Nebenwirkungen sind oft Atemnot, Schmerzen, Krämpfe und Herzrhytmusstörungen. Ausgerechnet Naturheilkundler mit dem Anspruch, Kranke ohne die vermeintlich giftigen Arzneien der Pharmaindustrie zu heilen, wurden ihren eigenen Prinzipien untreu und konsumierten synthetisch hergestellte Drogen aus dem Chemielabor. Selbst Homöopathen, die ihren Patienten millionenfach verdünnte Mittel verordnen, schluckten eine weitgehend unverdünnte Substanz, von der sie hätten wissen müssen, dass sie verboten ist. Ebenfalls dabei war eine Yogalehrerin, die Kurse auf Mallorca anbietet. Eine Ärztin, die im Internet mit „tiefenpsychologischer fundierter Psychologie“ wirbt. Ein Heilpraktiker, der ganzheitliche Krebsberatung offeriert. Personen, von denen sich Kranke die alternative Linderung ihrer Schmerzen erhoffen.

Das Tagungszentrum „Tanzheimat Inzmühlen“, der Schauplatz des Dramas, liegt versteckt zwischen uralten Bäumen, Wiesen und einem Moorbach. Stefka Weiland und Gabriele Fischer, die beiden Geschäftsführerinnen, ahnten nichts Böses, als die Heilpraktikerin Anja W. die Räume für ein Wochenendseminar buchte. Zusammen mit ihrem Ehemann Stefan S., hatte sie schon öfter Kurse in Handeloh geleitet. Nie gab es Ärger, im Gegenteil. Das Paar begrüßte die Gastgeber und die Kursteilnehmer stets mit herzlichen Umarmungen, Küsschen rechts, Küsschen links, alle hatten sich lieb.

Auch am fraglichen Freitagnachmittag schien alles wie immer. Zunächst wurde es ganz still. Plötzlich hörte Stefka Weiland, eine der beiden Geschäftsführerinnen, verstörende Geräusche. Furchtbare Laute, so ein Grunzen, Stöhnen, Kreischen. Auf der Wiese lagen Leute und schrien. Der Seminarleiter Stefan S. kratzte sich mit bloßen Händen das Gesicht blutig, stolperte ständig, fiel mehrfach hin. – Der Heilpraktiker S. R. wälzte sich wie wild auf einem Steinhaufen. – Die Heilpraktikerin W. lag in einem Graben und zitterte am ganzen Leib, wusste nicht, wo sie war. – Einige Personen bäumten sich trotz Tropf und Kanüle auf und wollten weglaufen; sie mussten von mehreren Helfern mit Gewalt festgehalten werden. – Ein Mann versuchte sich selbst zu verstümmeln.

Die Forschungschemikalie Libelle, die ähnlich wirkt wie LSD, kann bei Überdosierung zu schweren Komplikationen bis hin zum Tod führen. Wie diese gefährliche Substanz in den 2C-E-Vorrat geriet blieb ein großes Rätsel. Der Seminarleiter Stefan S. habe das Zeug gutgläubig erworben und von der brisanten Zumischung keinen Schimmer gehabt. Die Ärzte rätselten zuerst über die Ursache der Ausfälle. Lebensmittelvergiftung? Massenhysterie? Erst als „Tanzheimat“ Geschäftsführerin Gabriele Fischer mehrere Verpackungen mit der Aufschrift 2C-E auf einer Fensterbank entdeckte und Polizisten übergab, war der Fall klar. Deutlich wurde auch, welche Art Seminar geplant war: „Das dritte Auge öffnen“. Die Therapiemethode, mit der dieses Ziel erreicht werden sollte, heißt Psycholyse. Ihr Ansatz, dass nur mithilfe bestimmter Drogen besonders tiefe Schichten des Unterbewusstseins erreicht werden, ist noch umstritten.

Der Schweizer Psychiater Samuel Widmer gilt als einer der Erfinder der Psycholyse. In der Schweiz behandelte Widmer jahrzehntelang seine Patienten mit Substanzen wie Ketamin, Ephedrin und Mescalin sowie anderen psychedelischen Drogen. Sein Motto: Wer heilt, hat recht. Seine Anhänger verehren ihn als Heilsbringer, für seine Gegner war er ein gefährlicher Scharlatan. Als Widmer im Januar 2017 überraschend starb, hinterließ er zwei Frauen, elf Kinder und eine von ihm gegründete Kommune, die „Kirschblütengemeinschaft“. In der Gruppe, bestehend aus 200 Erwachsenen und Kindern, wird mit offenen Beziehungen experimentiert, Sexualität, Esoterik und Spiritualität spielen eine große Rolle, laut Darstellung geht es den Kirschblüten vor allem um „Selbsterkenntnis“.

Auch die Eheleute Stefan S. und Anja W., die das Drogenseminar in Handeloh leiteten sind nach Überzeugung der Staatsanwalt glühende Anhänger des Schweizer Gurus Widmer. Seminarleiter Stefan S. soll sehr häufig in der Schweiz gewesen sein, Widmer sogar assistiert und den Arzt als „ganz großen dieser Weltenzeit“ gelobt haben.

Die beiden Seminarleiter müssen nun mit einer Strafe rechnen und außerdem mit dem Verbot, Patienten zu behandeln. Beiden wurde in der Anklageschrift zunächst nicht nur das „unerlaubte Überlassen von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch“ vorgeworfen, also die Abgabe des 2C-E-Cocktails. Sondern weitaus schlimmer, auch der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge – ein Tatbestand, der mit Freiheitsentzug bis zu 15 Jahren bestraft werden kann. In einem Raum der „Tanzheimat“ fand die Polizei nämlich Vorräte von LSD, jener Modedroge, der seit Langem bewusstseinserweiternde Eigenschaften zugesprochen werden. Ob das Halluzinogen, das Psychosen und Depressionen auslösen kann, in Handeloh ebenso verteilt werden sollte wie das 2C-E, lässt sich nicht mehr aufklären. Einiges spricht dafür.

Bruno Schrep, Das dritte Auge (Auszug), ein Massenrausch von Heilpraktikern und Homöopathen endete mit einem Großaufgebot von Rettungskräften. Nun kommt der Seminarleiter vor Gericht, #DERSPIEGEL, Deutschland, 26/2017

 

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